Drei Wochen Rundreise in Kolumbien 🙂

Meine Schwester kommt oder: auf zu neuen Abenteuern!

Unter kolumbianischer Flagge

Ich hatte mich monatelang darauf gefreut und dann kam sie endlich: meine Schwester Lena! : Am 25. Juli holten Luz Helena und ich sie

und ihren Freund Moritz in Bogotá am Flughafen ab. Wir hatten uns auf den Tag genau, 6 Monate nicht gesehen. Ich hab mich riesig gefreut und meine arme Sis musste sogar weinen –>süüüß!! 🙂

Die beiden waren total fertig von der langen und anstrengenden Reise, leider mussten wir aber erst noch 1,5h nach Ubaté fahren. Die Konversation mit meiner Gastmami war nicht ganz einfach, da die beiden ungefähr 10 Worte Spanisch sprachen und Luz Helena keinerlei Englisch. Ich gab mein Bestes alles zu übersetzen und so haben sie sich ganz gut verstanden. 🙂

Für den nächsten Tag war gleich der Anfang unserer Mammut-Tour geplant: nach dem Mittagessen im Dorf mit Luz Helena ging es los in Richtung Karibik. Mit dem Bus fuhren wir nach Bucaramanga. Diese Stadt der Parks liegt in etwa auf halber Strecke zwischen Ubaté und

Einer der berühmten Parks in Bucaramanga, der "grünen Stadt"

Santa Marta an der Küste. Als wir gegen 10 Uhr abends endlich im Hostel ankamen erwartete uns schon meine Freundin Nicole aus Bogotá, die mit uns auf diese Reise ging. Zusammen mit den beiden deutschen Mädels aus unserer AFS-Gruppe, die in Bucaramanga ihr Freiwilligenjahr machen (noch eine Nicole und Jessica) gingen wir noch kurz etwas trinken und dann ins Hostel zurück.

Den nächsten Tag starteten ich und Lena mit einkaufen und einem „Salpicon“. Das ist eine Art nichtalkoholische Bowle, die je nachdem wo man in Kolumbien ist ein wenig anders gemacht wird. In Bogotá besteht sie hauptsächlich aus Papaya Saft gemixt mit Bananen-, Apfel-, Trauben-, Papaya-, Melonenstückchen, Erdbeeren und ihrem Saft. Lena war völlig begeistert! 🙂 Nach einem üppigen und ausgiebigen Frühstück schauten wir uns die Stadt an, d.h. eigentlich nur Parks, denn irgendwie gab es dort nicht mehr zu sehen. Geschockt war ich als ich Moritz und Lena einen richtigen kolumbianischen Kaffee; d.h. Juan Valdéz Kaffee spendieren wollte und feststellen musste, dass es dort keinen gab!! Gut, vielleicht war ich auch einfach zu blöd einen zu finden aber wir haben auch unsere Freunde aus Bucaramanga gefragt und auch die konnten uns nicht weiterhelfen. Insgesamt hatte ich mir von Bucaramanga mehr erwartet…alle Kolumbianer haben nämlich vorher zu mir gesagt, dass es eine der schönsten Städte Kolumbiens sei. V.a. wegen der Parks und die Parks waren zwar schön aber auch super klein und direkt an irgendwelchen Hauptstraßen. Dieser Aufenthalt war bisher der einzige, der mich etwas

Meine drei Mitreisenden: Nicole, Moritz und Lena

enttäuscht hat. Das Angenehme war allerdings das Klima; im Gegensatz zu Ubaté schön mild. 🙂 Darum beneide ich die Deutschen Freiwilligen dort wirklich!

Am Abend stiegen wir alle in den Bus nach Santa Marta. Nach einer, wenigstens für mich, recht schlafreichen Nacht im Bus kamen wir um 6 Uhr morgens in, schon um diese Uhrzeit bollenwarmen, Küstenstadt an. Wir hielten uns dort aber

Am Meer unten: Taganga; nach oben hin die Sierra Nevada

nur zum Frühstücken auf, denn unser eigentliches Ziel war ein kleines Fischer- bzw. Touristendorf namens Taganga einige Kilometer ausserhalb. Wir hatten Glück und bekamen ein Zimmer im größten und schönsten Hostels dort, dem „Casa de Felipe“. Den Rest des Tages verbrachten wir, natürlich, am Strand. 🙂

Wir blieben 3, statt der eigentlich geplanten 2 Nächte in Taganga. Am zweiten Tag fuhren wir mit dem Boot zu einer Traumstrand-Bucht etwa 5 min entfernt. Abenteuerlustig wie wir sind kletterten wir einen seitlichen Pfad hinauf und hatten erstmal einen wirklich atemberaubenden Blick über die Bucht mit grünen Hügeln, türkisblauem Meer und grauen Felsen. Zwei Buchten weiter war kein Mensch, ausser ein paar Fischern und einheimischen kids und das Wasser war glasklar. Herrlichst!!! 🙂 Abends schlugen wir uns den Bauch mit dem deliziösen Essen des Restaurantes im „Casa de Felipe“ voll. Der nächste Tag war eigentlich unser Abreisetag, allerdings wurde Moritz krank und so verbrachten ich und Nicole den Tag am Strand während Lena bei Moritz im Hostel blieb. Zum Glück erholte

Die Farbe des Wassers.... 🙂

sich Moritz schnell wieder und so konnten wir am nächsten Tag mit dem Boot zum Parque Tayrona aufbrechen. Allerdings nicht bevor wir meine Oma in Deutschland angerufen hatten, denn diese hatte an diesem Tag Geburtstag. 🙂

Die Bootsfahrt war ein absolutes Erlebnis! Das Wasser war wunderschön blau und klar und die Küstenlandschaft war beeindruckend! Bevor wir im Park ankamen hielten wir noch an einer Bucht an der wir alle am liebsten ausgestiegen wären..schaut euch nur mal die Bilder an, dann wisst ihr wieso. 🙂 Nach einer knappen Stunde im Boot fuhren wir dann am „Capo San Juan“ ein, dem südlichsten Strand des Parque Tayrona. Der Parque Tayrona ist ein Naturschutzgebiet, das direkt am Meer liegt. Das bedeutet: Natur pur, Strand, der

Eine Bucht im Parque Tayrona

nicht mit Hotelblocks zugestellt ist und keine befestigten Wege, nur Trampelpfade durch den Dschungel. Geschlafen wird in Zelten oder Hängematten, Gemeinschaftsduschen und wenn die Sonne untergeht ist nur die Speisehütte beleuchtet. Es war der Hammer!! So könnte ich wochenlang leben ohne irgendetwas zu vermissen! 🙂 Das einzige Programm, das wir dort hatten war am Strand zu liegen, essen und schlafen. Der Park besteht aus mehreren Stränden, die sich über ein 150 km² großes Gebiet von Norden nach Süden nördlich von Santa Marta erstrecken. Außerdem gibt es noch das „Pueblito“, die Überreste einer Siedlung der Tayrona-Indianer. Vom Capo San Juan bracht man etwa 1,5h für den Aufstieg. Ein Tipp: Zieht euch gute Schuhe an..ich Idiot habe gemeint ich kann in Flip-Flops hoch..den Aufstieg haben sie noch ausgehalten, den Abstieg

Das Bild ist nicht von mir gemacht..trotzdem: Die typische Tayrona Hütte

allerdings nicht. Der Trip ist anstrengend, aber lohnt sich wirklich!! Man läuft durch atemberaubenden Dschungel, sieht v.a. morgens keine Menschenseele ( lernt höchstens mal einen recht netten Brasilianer kennen 🙂 ) und sogar einige Tiere (z.B. ein Chamäleon, das vor deinen Augen die Farbe wechselt!! 🙂 ). Das Pueblito selbst sind Steinüberreste und ein Flussbett aus behauenen Steinen, außerdem einige Brücken und Holztafeln, die spanischkundigen Menschen die Kultur der Tayrona erklären. Interessant fand ich deren Vorstellung der Welt: Die Tayrona meinten die Welt hätte die Form eines Eies und sei aus verschiedenen Scheiben aufgebaut.

Moritz, ich und Lena

Unsere Welt ist die zentrale Scheibe, die oberste Scheibe wird von den Göttern bewohnt, die unterste von bösen Mächten. Das bedeutet, dass wir von oben her positiv und von unten her negativ beeinflusst werden. Deshalb bauten sie ihre Häuser auf einem kreisförmig angelegten Hügel, der nach unten hin in Terrassen gegliedert war.

Kontraste: das alte Cartagena und das neue

Nach drei Nächten im Tayrona Park fuhren wir zurück nach Taganga und von Santa Marta nach Cartagena, der letzten Station an der Küste. Wir kamen sehr spät an, spazierten aber trotzdem noch ein wenig durch die Stadt. Am nächsten Morgen machten wir noch eine Schnelltour durch das historische Zentrum. Die Sonne knallte und die Häuser erstrahlten in den schönsten Farben. Ich liebe diese Stadt einfach!! 🙂

Um 14.00 Uhr mussten wir dann auch schon am Flughafen sein und zurück ging es ins kalte Bogotá, bzw. eigentlich auch gleich weiter nach Ubaté. Eigentlich war mein Plan ja rechtzeitig zu den Fiestas in meinem Dorf anzukommen, aber dank

Vor dem Wasserfall, der hinter meinem Haus in Ubaté in die Tiefe stürzt

kolumbianischer Zeitplanung, war die Hälfte schon vorbei und die wirklich interessanten Tage hatten sich so verschoben, dass wir schon wieder auf Reisen sein würden. War ziemlich schade, da ich mich richtig auf die, wie mir beschrieben wurde, „zwei-wochenlange-Party“ gefreut hatte. Zur Erklärung: Die „Fiestas“ sind sowas wie das kolumbianische Dorffest und werden in jeder Stadt und jedem Dorf ausgiebig gefeiert. In Ubaté eben im August. Ist ziemlich cool: Das ganze Dorf ist Tag und Nacht auf den Beinen und es wird fröhlich an allen Ecken zusammengesessen, gegessen und (v.a.) getrunken. 🙂 Außerdem gibt es verschiedene Aktionen, von Konzerten und Miss Ubaté Wahlen über Umzüge bis hin zum Stierkampf und dem „Calleja“, der Stierjagd im Pamplona-Stil. Da wir, wie gesagt nicht zu den meisten Ereignissen da waren, kann ich euch auch leider nicht mit Bildmaterial versorgen. Entschuldigt! 🙂 Trotzdem war unser Aufenthalt bei mir zuhause sehr schön. Lena und Moritz haben bei mir in der Finca übernachtet, ich habe ihnen mein Dorf und meine Schule gezeigt und allen möglichen Freunden und Familienmitgliedern vorgestellt. Wir haben die

Bananenblatt, Kaffeefeld und Bambus...typisch Eje Cafetero

atemberaubende Landschaft um mein Haus mittels eines Spaziergangs mit den Hunden genossen und uns einfach ein wenig entspannt..jaa Reisen kann anstrengend sein. 🙂 Nicole kam auch noch zu Besuch, allerdings ist sie über Nacht ziemlich krank geworden und musste schon am nächsten Tag wieder nach Hause. In Ubaté blieben wir vier Tage um uns dann am 08.08.2011 auf den Weg nach Pereira in die „Eje Cafetero“, also die Kaffeezone Kolumbiens, zu machen.

In Kolumbien wird beinahe überall Kaffee angebaut, aber die „Eje Cafetero“ ist der bekannteste und wichtigste Teil. Die „Eje-„ oder „Zona Cafetera“ wird auch als Kaffee-Dreieck bezeichnet, da es zwischen den drei Städten Armenia, Pereira und

Rafal, der Besitzer der Kaffeefinca beim Kaffee ernten

Manizales liegt. Hier wird der Großteil des berühmten kolumbianischen Kaffees angebaut. Deshalb gehörte ein Besuch dieses Gebietes definitiv zum Kolumbien-Besuch meiner Schwester und Moritz’. Nach einer laaangen Busfahrt durch alle möglichen Landschaften und Klimastufen Kolumbiens kamen wir spät abends am Terminal in Pereira an. Dort wurden wir von dem Besitzer der Finca, in der wir drei Übernachtungen gebucht hatten, abgeholt. Angekommen hatte die Dame des Hauses uns ein herrliches Abendessen zubereitet. Die Finca heißt „Finca Villa Martha“ ist wunder-, wunder-, wunderschön und die Besitzer mittleren Alters Martha und Raffal sind überaus freundlich und kümmern sich rührend um ihre Gäste. Zu der Zeit übernachteten nur Lena, Moritz und ich dort, also hatten sie den ganzen Tag Zeit für uns. Wir fühlten uns wie Zuhause! 🙂 Die Zimmer der Finca sind schön, hell und sauber mit eigenem Bad, es gibt einen Pool mit

Da trinken die Hunde auch mal aus dem Pool..hier nimmt man das alles nicht so eng! 🙂

beheiztem Jacuzzi, drei Schäferhunde, sehr leckeres Frühstück und zum Abendessen was man will, denn Martha kocht selber und man wird beim Frühstück gefragt, was man abends essen möchte. 🙂 Die ganze Finca ist aus „Guadua“, zu Deutsch: Bambus, gebaut und auf dem riesigen Gelände wachsen beinahe alle Früchte, die in Kolumbien kultiviert werden: Orangen, Mandarinen, Mango, Papaya, Lulo, Bananen, Avocado, Ananas, Guayaba und noch einiges mehr. Die Landschaft ringsum ist der Hammer: Kaffeefelder soweit das Auge reicht, mittendrin Bambuswälder, sanfte Hügel im Sonnenschein und alle Arten von Vögeln, v.a. kleine, bunte Kolibris. Dort haben wir uns dann auch zum ersten Mal richtig entspannt und das Grundstück nur zum Wandern durch die Kaffeefelder verlassen. Raffal erzählte uns natürlich auch alles über Kaffee, was es so zu sagen

Dr Kaffeebaur! 🙂

gibt und zeigte uns den kompletten Verarbeitungsprozess. Es war natürlich super interessant und der Duft von frisch geröstetem Kaffee gehört ab sofort zu meinen Lieblingsgerüchen, v.a. wenn man morgens auf einer Finca in Kolumbien damit wach wird. 🙂 Nach leider nicht mehr als drei Nächten (wir hatten einen sehr strengen Zeitplan) ging es dann auch schon wieder zurück nach Bogotá und über Ubaté nach Duitama, meinen Gastvater besuchen. Mein Gastvater wohnt seit einigen Monaten dort, denn er verwaltet ein Altenheim in Duitama. Das bedeutet für meine Gastmutter, die immer noch in Ubaté arbeitet, dass sie jeden Freitag nach getaner Arbeit 3h dorthin und am Montag früh gegen 5 Uhr zurück gurken muss. Kein Spaß, aber geht eben nicht anders. Angekommen gingen wir alle, d.h. Lena, Moritz, ich, Luz Helena, Orlando, Daniela und ihr deutscher Freund Maximilian, der auch gerade zu Besuch in Kolumbien war, zusammen Pizza essen. Es war ausgesprochen amüsant, denn um den Tisch saßen mehr Deutsche als Kolumbianer und das auf kolumbianischem Boden! 🙂 Wir redeten über alles Mögliche, bzw. ich, Max und Dani redeten mit meiner

Kolumbianer und Deutsche...wer ist wer? (Tipp: Hautton 🙂 )

Schwester und Moritz und übersetzten dann das Gesagte für Luz Helena und Orlando. Es funktionierte recht gut, v.a. hatten meine Schwester und Moritz dank ihrer schnellen Auffassungsgabe in unserem Urlaub ziemlich viele Wörter gelernt. So konnten sie zumindest ein Wenig selbst kommunizieren.

Am nächsten Tag ging es dann nach dem gemeinsamen Frühstück im Laufschritt zurück nach Bogotá, denn inzwischen war es Samstag, der 13. August und gegen Mittag endetet der Besuch meiner Lieblingsschwester. Am Flughafen haben wir uns dann noch bei „El Corral“ einen mega-Burger gegönnt und danach, denn das macht den Braten ja auch nicht mehr fett 🙂 , bei „Juan Valdéz“ ein Stück Kuchen mit kolumbianischem Kaffee. Das war dann auch der Abschluss unserer gemeinsamen Reise, danach verabschiedete ich mich von den Beiden, froh sie in nur 6 Monaten wieder zu sehen!

Jetzt sind es nur noch drei Wochen….


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