Weihnachten und der Lauf der Dinge

Seit gut einem Monat habe ich jetzt schon Ferien. Ich habe einiges erlebt: Ich habe mich oft mit Freunden getroffen, war öfters feiern und musste erste Abschiede verkraften. Und dann war natürlich Weihnachten. Ich hatte mich schon auf ein großes „ich-will-nach-Hause“-Drama eingestellt, aber ich habe die Feiertage sehr gut verkraftet. Aber von Anfang an …Da ich leider immer noch nicht wirklich brasilianische Freunde habe, treffe ich mich immer mit anderen Austauschschülern. Davon haben wir nämlich einige hier. Es ist immer wieder schön mit ihnen, da wir alle „im gleichem Boot“ sitzen und die selben Sorgen und Glücksmomente teilen. Und ich finde es sogar gar nicht so schlecht, dass ich nicht so viele brasilianische Freunde habe, denn dann werde ich im Juni „weniger“ zurücklassen.

Dann am 18.12 musste ich mich von Cait, der Australierin verabschieden. Ich habe viel mit Cait und Kirsten (Neuseeland) gemacht, und jetzt fehlt irgendwie ein Teil. Aber Abschiede sind mittlerweile zum Alltag geworden, und davon werde ich noch mehr innerhalb des kommenden Jahres verkraften müssen. Trotzdem ist es natürlich komisch und traurig.
Ich hab mich auch diesen Monat im Fitnessstudio angemeldet, Muskelkater war da natürlich vorprogrammiert…

Dann war am Wochenende Weihnachten. Ich war nie ein großer Weihnachtsfan und eher angenervt von der ganzen Deko etc., aber das Weihnachten mit meiner Gastfamilie war sehr ruhig. In der Küche war am 24. die ganze  Zeit Hochbetrieb und abends wurde alles auf einem Tisch aufgedeckt. Ich bin mit meinem Bruder um ca. 9h Abends noch zu Freunden von ihm gegangen und da ca. 1 Stunde geblieben, natürlich mussten wir da auch was essen, dann sind wir wieder nach Hause und sein Freund ist auch zu uns gekommen. Sonst war nur meine Oma da und ein Cousin mit Frau. Und natürlich meine Familie (Mutter, 2 Schwestern, 2 Brüder und die Freundin von meinem einen Bruder). Geschenke gab es nicht, was mir sehr entgegen kam (normalerweise gibt es aber Geschenke in Brasilien zu Weihnachten). Am nächsten Tag bin ich mit meinem Bruder und seinem Freund (ja mein einer Gastbrüder ist schwul und soooo cool!) und einer gemeinsamen Freundin von ihnen zu der Familie des Freundes gegangen, auch da wurde gegessen und Musik gehört und natürlich geredet. Abend sind wir dann noch nach Barra gefahren, das ist DAS Stadtviertel in Salvador (Bars, Strand etc.).

Weihnachtsstimmung hatte ich trotz der übertriebenen Dekoration überall nicht, klar, 35°C ist doch was anderes als der Winter in Deutschland. Da ich wie gesagt nie der mega Weihnachtsfan war, war ich völlig zufrieden mit diesem recht schlichtem Weihnachten und trotz skypen mit meiner Familie in Deutschland bleib das Heimweh aus.

 

 

Ich bin nun fast schon die Hälfte der Zeit hier, und so viel hat sich verändert. Die anfängliche Angst darüber, was man in Deutschland zurück lässt ist der Angst vor der Zukunft und der Rückreise gewichen. Natürlich vermisse ich viele Freunde und auch meine Familie, aber ich fühle mich hier wirklich wie zu Hause. Durch dieses eine Jahr Abstinenz merkt man wirklich, wer die wahren Freunde sind. Ich bin gerade von einigen wirklich guten Freunden enttäuscht, aber wahrscheinlich hat man da zu hohe Erwartungen. Andererseits gibt es dann Leute, mit denen ich jetzt mehr Kontakt habe, als ich hatte, als ich noch in Deutschland war. Und dann vermisse ich die Leute, mit denen ich zwar befreundet war, aber nicht so gut. Die Leute, die immer dabei waren, mit denen man aber nicht so eine enge Beziehung hat. Und natürlich bleiben noch viele Freunde, die sich regelmäßig melden. Generell ist dieses Austauschjahr ein einziger Kummer. Von Heimweh und Fernweh über alte Freunde, neue Freunde, die eigene Familie und die Leute, die wie eine neue sind, verflossene und neue Liebe etc. Aber die Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, sind diesen Kummer wert!


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