Besuch bei „Workshops Unlimited“

Um mir dabei zu helfen, mich in Alta du Toit einzuleben, hatte meine Entsendeorganisation mir einen Tagesausflug bei „Workshops Unlimited“ beschafft. Hintergedanke war hierbei, mir zu zeigen, wie gut ich es doch in meinem Projekt habe.

So wurde ich am Abend vorher von einer AFS-Ehrenamtlichen abgeholt und nach Mitchells Plain gebracht, wo „Workshops Unlimited“ ansässig ist. Lindie, eine Regionalkoordinatorin von AFS, wohnt in Mitchells Plain und kennt das Projekt, da ihr Sohn ebenfalls behindert ist und dort arbeitet. Lindie erzählte mir, dass ihr Sohn 33 Jahre alt ist, seine Behinderung aber erst in der Schulzeit erkannt wurde. Giovanni, so heißt der Sohn, hat offenbar Schäden in der Gehirnregion, die für Mathematik zuständig ist, was dazu führt, dass er sich nicht mehr als drei Dinge merken kann. Giovanni arbeitet erst weit wenigen Monaten bei „Workshops Unlimited“ und liebt seine Arbeit dort. Nachdem er die Schule beendet hatte, saß  er viele Jahre einfach zu Hause, da er keinen Job bekommen hatte. Ich aß nach meiner Ankunft dann mit der Familie zu Abend und übernachtete bei ihnen, bevor ich am nächsten Tag in das Projekt gefahren wurde.

„Workshops Unlimited“ liegt hinter einer Shopping Mall und sieht von außen wie eine einfache Lagerhalle aus. Drinnen befinden sich mehrere Räume und ein Büro. Ähnlich wie in Alta du Toit sind die Behinderten, die dort arbeiten, je nach Fähigkeiten in verschiedene Gruppen eingeteilt. Anders als in meinem Projekt ist jedoch, dass die Behinderten dort nicht wohnen, sondern wirklich nur arbeiten und außerdem allesamt schwarz oder coloured sind. Dass Alta du Toit vergleichbar gut dasteht, wurde mir praktisch sofort beim Eintreten bewusst. Die Räume dort sind in einem relativ schlechten Zustand, da das Projekt keinerlei Fördergelder erhält. Obwohl es hier draußen schon recht warm ist, war es in den Räumen dort ziemlich kalt und ich frage mich, wie man dort auch nur annähernd arbeiten kann, wenn es hier Winter ist.

Ein wesentlicher Unterschied zu Alta du Toit ist meines Erachtens, dass bei „Workshops Unlimited“ mehr Wert auf Erziehung gelegt wird, während in meinem Projekt viel mehr gearbeitet wird. Das, was ich hier Erziehung nenne, wird dort „Life Skills“ genannt. Gemeint sind damit Übungen, bei denen man versucht, die Behinderten mit ihrem näheren Umfeld vertraut zu machen. An dem Tag als ich da war, haben die Therapeuten zum Beispiel das Thema Polizei besprochen. Mit den Behinderten wurde also erarbeitet, in welchen Fällen man die Polizei ruft, wie das südafrikanische Zeichen für Polizei aussieht und welche Informationen man bereit halten sollte, wenn man sich bei der Polizei meldet (also die klassischen W-Fragen).

Von diesen Life Skills-Stunden abgesehen erledigen die Behinderten hier ebenfalls Auftragsarbeiten. Bei meinem Besuch wurden medizinische Kanülen eingetütet. In der Holzwerkstatt basteln die Behinderten aus gesammelten Holz Weinkästen oder Halterungen für Gardinenstangen.

Besonders interessiert war ich an der Gruppe der Low Functions, da ich natürlich wissen wollte, wie man mit den Behinderten hier umgeht. Ich stellte dann erst einmal fest, dass die Behinderten hier deutlich später kommen als alle anderen – erst gegen 11 Uhr. Die Low Functions bei „Workshops Unlimited“ erschienen mir fast schon schwerbehindert, da die meisten nicht sprechen und auch nicht laufen konnten. Die Pflegerinnen waren sehr nett, erzählten mir jedoch, dass sie im Grunde gar keine Zeit haben, mit dem Behinderten irgendwelche Spiele zu spielen. Da sie nur zu zweit sind, sind sie fast ausschließlich damit beschäftigt, die Behinderten zu füttern und zu säubern. Die selbstgebastelten Spielsachen, die ich dort fand, wurden vor einigen Monaten von Freiwilligen hergestellt.

Die meiste Zeit verbrachte ich allerdings bei den beiden Ergotherapeutinnen, die etwa in meinem Alter und den Endzügen ihres Studiums sind und mir einiges an Ideen und Thesenpapieren mit auf den Heimweg gaben. Mit Inken aus Namibia konnte ich mich auf Deutsch austauschen und zwei Wochen später haben wir uns auch mal zum Lunch in der Stadt getroffen, so dass ich aus dem Besuch auch einen sozialen Kontakt mitgenommen habe.

Gegen 16 Uhr wurde ich zum Glück wieder abgeholt und nach Alta du Toit gefahren, das mir nach einem Tag wie diesem vorkam wie das Paradies…


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