Tecito, pancito, caosito…

Jetzt bin ich schon fast ein viertel Jahr in Chile. Es kommt einem so vor als wäre man gerade erst angekommen. Alles läuft hier so langsam und relaxed. Einerseits ist das wunderbar entspannt, andererseits kann einem das auch ganz schön bei der Arbeit aufhalten. Seit ein paar Wochen bin ich, zusaetzlich zu Koordinatorin eines Campamentos, Koordinatorin der Gesundheit in der gesamten Region. Man darf jetzt nicht denken, dass mein Spanisch so toll ist und ich null Probleme habe. Es ist einfach schwierig jemanden zu finden, der die Zeit dazu hat.

Als ich das erste mal die Powerpointpräsentation zum Gesundheitssystem in Chile gesehen habe, hätte ich am liebsten angefangen zu heulen. Alles ist komplett anders als in Deutschland und in einem Spansich, dass ich einfach noch nicht drauf habe. Da aber hier alles so schön langsam von statten geht, hatte ich bis jetzt ordentlich Zeit mir die Präsentationen, die ich selber irgendwann man halten soll, anzuschauen. Allerdings werde ich mir Hilfe holen, wenn die Leute aus den Campamentos kommen, denen man eben das Gesundheitssystem und andere wissenswerte Dinge nahebringen soll.

Bis jetzt werden nicht viele Aktivitäten, die was mit Gesundheit zu tun haben, verwirklicht. Im Moment machen wir eigentlich nur Operativo Colgate. Die Kinder sehen einen Film, wie man sich richtig die Zähnchen putzt und wie oft. Dann bekommen sie von Studenten Flur auf die Zähne gestrichen und gehen mit einem Zettel, auf dem steht, dass sie 2 Stunden nichts essen dürfen und einer Urkunde nach Hause. Da sich die Kinder bevor sie Flur auf die Zähne kriegen, diese putzen mussten, kam bei vielen Kindern heraus, dass sie in ihrem ganzen Leben noch nie im Besitz einer Zahnbürste waren.

Mein Seminar über gesunde Ernährung „Du bist, was du is(s)t“ existiert leider immer noch nur auf dem Papier. Im Moment warten wir darauf, dass wir ein Campamento finden, wo wir das Seminar halten können. Bei dem Seminar habe ich mir das so gedacht: Die Kinder bekommen Papier auf das sie malen, was sie täglich essen und was davon ihrer Meinung nach gesund ist. Diese Zettel nehmen sie mit zum Seminar und da hängen wir diese an eine Stellwand. Zum Einstieg sehen die Kinder einen kurzen Film über gesunde Ernährung und anschließend wird ihnen alles nochmal an Hand einer Powerpointpräsentation erklärt. Wir kochen mit den Kindern etwas einfaches, aber gesundes. Abschliessend spielen sie Memorie, bei dem ein Paar zum Beispiel ein Glas Milch und ein Knochen ist. Während einige Kinder das spielen, werden die anderen gewogen. Sie bekommen eine Teilnehmerurkunde, 2Rezepte und einen Brief für die Eltern mit nach Hause. In dem Brief an die Eltern, geben wir das aktuelle Gewicht und das Idealgewicht des Kindes an und erinnern die Erziehungsberichtigten an die Bedeutsamkeit einer gesunden Ernährung und ihre Vorbildfunktion.
Es fehlt also nicht an Ideen oder guten Vorsätzen für die Zukunft.

Ein anderes Beispiel: Jeden zweiten Donnerstag haben wir eine Versammlung in Coronel. Zu dieser Versammlung kommen die Leute aus den Campamentos, die ein Haus bekommen. Um ein Haus zu bekommen, müssen sie 20lukas (=ungefähr 30 Euro) sparen und sich bewerben. Da die Häuser alle dicht nebeneinander stehen, muss man sich auf ein paar Regeln einigen. Wie viele Haustiere jeder haben darf, wie lang man nachts laut Musik hören darf und so weiter… Wir haben also eine Umfrage erstellt und diese haben die Leute, die ein Haus bekommen werden, ausgefüllt. Als wir die Ergebnisse präsentierten, kam der große Aufschrei: „Warum kann ich nicht so viele Haustiere haben wie ich will?“, „Das ist mein Haus, da kann ich Musik hören so lange ich will!“,…
Naiv, wie ich manchmal bin, dachte ich: Man, die können im Januar umziehen und haben dann endlich ihre eigenen vier Wände! Die sind bestimmt alle schon total aufgeregt und freuen sich! Tja, falsch gedacht…

Es gibt unglaublich viele Dinge, über die sich die Leute beschweren und/oder die sie nicht verstehen. Wenn man sein Leben lang in einem Campamento gewohnt hat und schon immer seinen Müll einfach hinter sein Haus geworfen hat, scheint es nicht verständlich zu sein, warum man das nicht mehr machen kann, wenn man ein Haus aus Beton hat…
Ja, wie man sieht, gibt es noch viel zu tun. Ein Jahr ist leider ein wenig kurz, um wirklich viel zu erreichen. Man lernt aber, sich mit kleinen Erfolgen zufrieden zu geben und die Dinge etwas lockerer zu sehen.

Ansonsten geht es mir hier richtig gut! Man merkt mit der Zeit, dass man keine ungekochten Meeresfrüchte essen sollte, man sich niemals auf eine ausgemachte Uhrzeit verlassen darf, am besten man verlässt sich auf garnichts, alles spontan machen, planen igitt!, dass chilenisches Essen oft fritiert ist und alles einfach niedlich ist, wie z.B. tecito, pancito, eben CHILITO! =)


Ein Gedanke zu Tecito, pancito, caosito…

  • Hi,
    ich wollte nur sagen, dass ich es einfach super klasse fiinde, dass sich Leute dafür engagieren. -Da merkt man erst wie gut man es eigentlich hat.
    Vielen lieben Dank, dass du dich dafür einsetzt.
    Ich drücke dir die Daumen und hoffe sehr, dass du viel Erfolg hast!

    Grüße,
    Blake

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