Greetings from the land of Po

Jetzt bin ich schon knapp 3 Monate hier, was mir gar nicht so vorkommt, weil ich so viel zu tun hab und es so toll ist. Die Zeit rast wie nichts, blablabla. Schluss mit der langweiligen Mainstream-Einleitung. Habe ein ganz kleines schlechtes Gewissen seit fast 2 Monaten nichts mehr geschrieben zu haben… Aber wenn ich grad wirklich Nichts zu tun hab (nicht in der Schule sitze, nicht in Krakow unterwegs bin, nicht bei Irgendjemandem daheim Kuchen esse, nicht im Schwimmbad bin) sondern nur Daheim bin, habe ich eher Lust ein Buch zu lesen, anstatt Leuten in Deutschland zu erzählen, was ich so tue. Es stimmt, das Bedürfnis Anderen mitzuteilen, was ich heute wieder merkwürdiges erlebt hab, ist immer, immer weniger geworden. Erstens ist vieles allmählich alltäglich geworden. Was irgendwie schade ist, aber es hilft auf jeden Fall. Zum Beispiel bin ich nicht mehr so müde wie am Anfang und brauch nicht jeden Mittag ein Schläfchen halten… Zweitens bin ich jetzt schon fast dran gewöhnt, dass mein Städtchen in Deutschland echt über 1500 km entfernt ist und die Menschen da eben ihr eigenes Leben führen und ich hier eben mit neuen Leuten rumhänge und lebe. Und drittens hat das Vermissen nachgelassen. Aber das hat bestimmt auch damit was zu tun, dass ich mittlerweile hier mehr Menschleins kenne und sowas wie Hobbys habe…

Oktober war kein leichter Monat. Die Aufregung, dieses “OH-MEIN-GOTT-ICH-BIN-WIRKLICH-HIER” -Gefühl hatte nachgelassen und mir war plötzlich total langweilig mittags Daheim. Außerdem hatte ich ein schlechtes Gewissen, wenn ich zu oft bei Mama und Papa in Detuschland anrief, weil AFS ja meint, das sollten wir seltener tun. Aber es hat wirklich geholfen mit vertrauten Stimmen zu reden, die Menschen gehören, die wissen was ich druchmache, und 100%ig hinter mir stehen. Kurz gesagt: Ich hatte ziemlich Heimweh, ein paar echt harte Tage und vorallem Nächte. Aber das hab ich natürlich auch überwunden.  Woran genau das liegt, kann ich nicht sagen. Aber ich hab bemerkt, dass ich eine ziemliche Optimistin bin. Immer wenn’s mir grad dreckig geht, denke  ich: “Hey, reiss dich zusammen. Auch wenns bisher noch nicht legendär war, dieses Jahr wird eine der geilsten Zeiten deines Lebens!

Schule ist so langweilig. In den Fächern, wo ich nicht mitmachen kann (das sind alle außer Englisch, Französisch, Sport und in Informatik kann ich zumindest im Internet surfen…), schaue ich ununterbrochen auf die Uhr, plane meine nächsten Tage oder lese. Bei Gruppenarbeiten werde ich auch mal ab und zu einbezogen. Z.B. durfte ich schon öfters einen kurzen Text vorlesen. 🙂 (Man fühlt sich dabei etwas doof, wenn man kaum weiß, was das jetzt heißt und alle lächeln so gerührt und ermutigend… 🙂 Letztens durfte ich sogar ein langes, geblümtes Kleid, Turnschuhe, einen Umhang und eine Baseballmütze anziehen und so durch die Klasse stolzieren, weil ich eine Oma aus der Lektüre darstellen sollte, die sie grad lesen. Sonst freu ich mich immer riesig auf die Pausen. Zum Glück ist nach jeder 45-Minuten-Stunde eine kurze, wo ich dann den ganzen Leuten in der Schule über den Weg laufen darf. Und riesig freue ich mich auf meinen Polnischunterricht. Erstens muss ich dann nicht den regulären Unterricht mit meiner Klasse besuchen und zweitens macht’s riesig Spaß. Verwirrend, diese Sprache, aber ich kann mich fast schon richtig unterhalten, auch wenn die Gesprächsthemen noch beschränkt sind und einige Fehler vorkommen. 😉

Mit meiner Gastfamilie komm ich klar. Viel mehr gibt’s da aber nicht zu erzählen. Sowas wie “Familienaktivitäten” gibt es keine, außer zusammen essen, fernsehen oder einkaufen gehen. Ich glaube das ist allgemein in Polen so, dass die Mama den ganzen Haushalt schmeißt und nicht so viel zusammen getrieben wird… Deswegen versuche ich an den Wochenenden nicht zu viel zu Hause zu sitzen, sondern im Internat zu übernachten oder nach Krakow zu fahren. Dort bin ich echt verdammt oft. Spazieren, shoppen oder alle möglichen Cafés und Restaurants ausprobieren, so kann man sich jeden Tag dort die Zeit vertreiben. 🙂  Komm mir fast schon wie ein wirklicher Pole vor, wenn ich  genau weiß, wo ich langlaufen muss, schon Plätze kenne, die nicht touristen-überhäuft sind und ich schon ganz alleine Sachen einkaufen kann.


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