Daisy Duck (oder: Zwei Monate nach meiner Ankunft)

Heute ist der 11.11.11. An diesem außergewöhnlichen Tag ist es auch genau zwei Monate her, dass ich von meiner Familie am Bahnhof begrüßt wurde. Es ist verrückt, wie schnell die Zeit vergeht. Gerade noch bin ich verzweifelt durch die Sätze gestolpert und jetzt kann ich mich relativ problemlos verständigen und beinahe alles verstehen. Das Orientierungs-Camp liegt schon hinter mir und der Herbst ist längst angebrochen. Wenn die Sonne scheint, stehen die Bäume in wunderschönen Farben, aber der Regen lässt meinen Wohnort Mirano ein wenig trostlos wirken. In Venedig ist es auch mit Regen wunderschön. Seit der ersten Woche ist so viel Zeit vergangen und so viel ist passiert… ich weiß gar nicht wo ich beginnen soll. Vielleicht mache ich den Anfang, indem ich die seltsame Überschrift erkläre.

Dazu gehört eine wirklich schöne Geschichte, die mein Gastpapa mir neulich beim Abendessen erzählt hat. Ich versuche sie einigermaßen korrekt widerzugeben. Als meine Gasteltern damals zusammengekommen sind, hat mein Gastvater bei einem Spiel 3 Figuren gewonnen. Mickey Maus, Minnie Maus und Daisy Duck. Nachdem mein Gastbruder geboren war und meine Gastmutter mit ihrem zweiten Kind schwanger war, hat der Arzt ihn gefragt:“ Was denken Sie, was es wird? Ein Mädchen oder ein Junge?“ Mein Gastvater war sich sicher, dass es ein Mädchen wird, weil er diese beiden Figuren von Mickey und Minnie Maus als Zeichen gedeutet hat. Mehere Jahre hat er sich dann gefragt, was diese dritte Figur zu bedeuten hat. Anders als die beiden anderen, aber trotzdem dabei. An diesem Abend in der Küche hat er mir gesagt: „Jetzt nach all den Jahren, habe ich endlich verstanden, dass du das dritte Kind bist.“ In diesem Moment wurde mir erst richtig klar, dass ich nach diesem Jahr zwei Familien haben werde. Ich bin meinem Gastvater so dankbar für diese Geschichte. Wenn ich Heimweh habe oder mich einsam fühle, muss ich nur daran denken und fühle mich besser. Denn es gibt diese Momente, in denen ich Deutschland vermisse und denke, dass ich keine Kraft mehr habe. Vor allem wenn ich müde bin, kann es schon mal passieren, dass ich die Nerven verliere. Was ich aber inzwischen weiß: Am nächsten Morgen ist alles wieder gut.

In der Schule muss ich inzwischen die Tests mitschreiben und auch die meisten Hausaufgaben machen. Das ist nicht immer einfach, aber bis jetzt habe ich mich gut geschlagen und bin zufrieden. Ab und zu drücken die Lehrer auch noch ein oder zwei Augen zu. Ganz so schnell geht es dann doch nicht. Weil ich jetzt die Sprache besser kann, läuft es auch mit den Mädchen aus meiner Klasse viel besser. Trotzdem bin ich manchmal noch einsam, weil sie am Nachmittag alle nach Hause gehen, um zu lernen. Zum Ausgehen bleibt nur der Samstagabend, weil man am Morgen noch zur Schule gehen muss und da treffe ich mich oft auch mit den anderen AFSern in Venedig.

Das Camp in den Bergen war toll. 60 AFSer, die in Venetien wohnen. Wieder einmal war es schön,  so viele Kulturen auf einem Fleck zu sehen. Es waren vier wundervolle Tage mit vielen neuen Freundschaften und schönen Momenten. Diese Erlebnisse sind das beste an der Organisation. Es ist eine große Bereicherung, alle diese tollen Leute kennenzulernen und Freundschaften zu schließen.

Eigentlich gibt es noch viel mehr zu berichten, aber meine Zeit am Computer ist beschränkt und ich versuche einfach bald wieder zu schreiben. Liebe Grüße aus Italien,

Wanda


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