Mein Alltag als Austauschschüler in Chile

Da es jetzt dann ja doch schon wieder eine ganze Weile her ist, dass ich hier etwas geschrieben habe, dachte ich mir wird es mal wieder Zeit. Der Grund warum ich jetzt echt schon lang nichts mehr geschrieben habe ist eigentlich nur, dass es mir einwandfrei geht.
Eine Sache die ich noch ganz am Anfang sagen muss, ist dass meine Computer nicht mehr funktioniert und ich deswegen gezwungen bin auf einer franzoesichen Tastatur zu schreiben (ich weiss ich bin in Chile aber der Laptop wurde in Frankreich gekauft), d.h. ich kann leider keine ae- oe- oder ue- Puenktchen und auch kein scharfes „S“ schreiben.

Also… ich bin jetzt seit bald ueber drei Monaten im Land am Ende der Welt, das aber irgendwie so gar nicht am Ende der Welt ist, geografisch vielleicht schon aber wirtschaftlich ist Chile ein sehr modernes und wie es aussieht auch relativ stabiles Land (zumindest wirtschaftlich stabiler als jeder Mitgliedsstaat der EU im Moment 😀 ).
Die Menschen hier sind auch irgendwie komplett anders. Ich habe das Gefuehl, dass die Leute hier freundlicher sind als in Deutschland. Man ist hier nicht so foermlich. Ich kann das leider nicht mit konkreten Beispielen beschreiben, es ist einfach so. Auch ganz erstaunlich war der Wechsel von Winter in Sommer: Es ging von einen Tag auf den anderen. Ich bin mir nicht ganz sicher ob wir jetzt gerade Fruehling haben oder schon Sommer, aber die Temperatur haelt sich immer so zwischen 25 und 30 Grad Celsius. Allerdings hat mir mein Gastvater gesagt, dass es bald noch heisser wird.

Der Weg zu Schule

Mein Alltag is eigentlich relativ aehnlich zu dem in Deutschland. Ich stehe am Morgen um 6.40 Uhr auf ( meistens laeuft es auf 6.50 Uhr raus) und fruehstuecke mit meinen Geschwistern und meinen Vater in „highspeed“ ein Muesli vor dem Fehrnseher, mache mich fertig und gegen zwanzig nach sieben geht es dann mit dem BMW Richtung Innenstadt, in die Schule. Der Unterricht beginnt um 8 Uhr. Wer auch nur eine Minute zu spaet kommt, steht vor verschlossenen Toren und bekommt einen Eintrag in ein kleines Heftchen. Wer mehr als drei Eintraege hat, dem gnade Gott. Ich habe bis jetzt gluecklicherweise noch keinen einzigen, auch wenn es einmal relativ knapp war. Ich konnte aber noch durch das halb geschlossene Tor mehr oder weniger hechten. Der Unterricht beginnt mit den, ich will es mal „die Klassenlehrerzehnminuten“ nennen. In einigen Klassen wird gebetet, in meiner Klasse wird aber eher wichtige Information gegen eine Mauer aus Laerm durchgegeben. Wie in Deutschland auch gibt es hier sehr gute Lehrer, die ihren Stoff durchsetzen und gut erklaeren koennen und einige, die einfach gegen die Klasse keine Chance haben. An meiner Schule habe ich von dieser Art Lehrer bis jetzt eigentlich nur eineinhalb kennengelernt. Der Physik-Lehrer gehoert dazu und mein Klassenlehrer auch so halb. Mein Klassenleher, auch der Geschichte Lehrer, ist sehr nett und wird von allen respektiert und hat eigentlich eine sehr grosse Autoritaet, aber in den ersten zehn Minuten kann er sich iregendwie nie durchsetzen.

Unterricht an meiner Schule

Danach beginnt der regulaere Unterricht: Wie in meiner deutschen Schule auch funktioniert das hier nach Doppelstundenprinzip. Im Unterricht habe ich sehr oft relativ grosse Langeweile, da ich das Fachspanisch in Bio oder Geschichte einfach nicht verstehe. Da kann man in den ersten 10 Minuten aufpassen und versuchen zu verstehen, aber irgendwann beginnt man dann mit den Gedanken abzuschweifen und schaltet einfach ab. Ich besuche eine Priviatschule (die Kosten dafuer werden voll von meinem Gastvater uebernommen). Meine Schule ist wie jede andere chilenische Schule auch eine Ganztageschule, d.h. ich habe jeden Tag Schule bis drei und zweimal die Woche bis halb fuenf. Wir haben eine halbe stunde Mittagspause, in der wir das Schulgelaende nicht verlassen duerfen, oder bessergesagt, nicht verlassen koennen.

Der Weg nach Hause

Nach der Schule geht es dann mit meinen Geschwistern und anderen Schuelern in einem Van zurueck nach Hause – „a la casa“. Der Van ist ausgelegt fuer acht Personen. Es gab aber schon Tage an denen wir elf Personen unterbekommen haben. Mit Verkehrssicherheit nimmt man es in Chile nicht so ernst. Angeschnallt ist man eigentlich nur auf den zwei Vordersitzen und ueberholt wird bei jeder sich bietenden Gelegenheit. In Chile gibt es sehr viele Strassenwellen was dazu fuehrt, dass man zwischen zwei Arten von Autofahrern unterscheiden muss:
– die eine Art bleibt vor der Strassenwelle fast stehen und rollt in weniger als Schrittgeschwindigkeit darueber
– Nummer zwei ignoriert die Strassenwelle einfach und rasst mit unverminderter Geschwindigkeit darueber
Meine Busfahrerin gehoert eindeutig zu Kategorie zwei was dazu fuehrt dass sich die Leute, die ganz hinten im Van sitzen, immer mal wieder ordentlich den Kopf gegen die Innenseite des Daches schlagen (die zum Glueck gut gepolztert ist).

Wenn wir dann Zuhause ankommen gibt es erstmal Essen. Danach geht es jeden Tag unterschiedlich weiter: Manchmal wird der Tag vor dem Fernseher beendet (hier habe ich die unglaublichen Vorteile von Pay-TV kennengelernt), manchmal muss ich dann doch auch schon Hausaufgaben machen oder auf einen Englischtest lernen (heute haetten wir eigentlich einen Test ueber ein Englischbuch, aber da ich das erst gestern um halb elf am Abend erfahren habe, habe ich mich dazu entschlossen den Tag lieber damit zu verbringen meinen Blog weiter zu schreiben und das Buch zu lesen 😀 Es ist aber das erste Mal, dass das vorkommt). Und dann beginnt alles wieder von vorne.

Mit AFS nach Patagonien

In drei Tagen geht es fuer mich und einige andere AFS-Schueler nach Patagonien (danach kann mit einem weiteren Blogeintrag gerechnet werden) und danach sind noch etwa zwei Wochen Schule, bis dann im Dezember die grossen Ferien beginnen. In den Ferien steht unter anderem ein Besuch der weltweit groessten unterirdischen Kupfermine an, mit 8000 km an Tunneln.

An dieser Stelle moechte ich mich, mit dem Versprechen, in einigen Wochen einen Blogeintrag ueber Patagonien zu verfassen, verabschieden.

Liebe Gruesse an Familie Freunde und zukuenftige AFS-Schueler.


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