Ein Wochenende in Oudtshoorn

Nach den ersten nicht ganz problemfreien Wochen verbrachte ich ein Wochenende spontan in Oudtshoorn auf der Farm eines deutschen Auswanderers. Alles begann damit, dass ich das Wochenende zuvor alleine mit dem Minibustaxi nach Kapstadt gefahren war. Nachdem die andere Freiwillige in meinem Projekt entweder keine Zeit hatte oder krank war, hatte ich es satt die Wochenenden im Projekt zu verbringen. So machte ich mich also alleine auf den Weg in die Stadt.

Dazu musste ich erst einmal 2,5 Kilometer bis zur großen Voortrekker-Road laufen, die direkt in die etwa 20 Kilometer entfernte Stadt führt. Hier fahren samstags im Minutentakt die Minibustaxis vorbei. Es gibt keine Haltestellen, deshalb bleibt man einfach an der Straße stehen und signalisiert, dass man einsteigen will. Minibustaxen sind größere Wagen, in denen bis zu 16 Personen Platz finden. Die Fahrt von Bellville in die Stadt kostet 11 Rand, was umgerechnet 1,10 Euro sind. Je nachdem, wie geschäftstüchtig der Fahrer und sein Compagnon sind, kann die Fahrt durchaus eine Stunde dauern, denn dauernd will jemand ein- oder aussteigen. Zimperlich darf man nicht sein: Auf der Rückfahrt saßen mir ständig irgendwelche Männer halb auf dem Oberschenkel, weil es so eng war.

Endlich in der Stadt angekommen, orientierte ich mich an der Menschenmenge, die gen Innenstadt strömte. Völlig beeindruckt von dieser quirligen Stadt machte ich ein paar Besorgungen und landete am Ende in einer deutschen Buchhandlung auf der Suche nach einer guten Karte vom Western Cape. Hier unterhielt ich mich länger mit dem südafrikanischen Buchhändler, der seine Ausbildung in Deutschland absolviert hatte und auf der Suche nach einem Nachfolger seines Geschäfts ist. Unterbrochen wurde unsere Unterhaltung dann von einem älteren Mann, der auf der Suche nach einem Buch war, über das er eine Diskussion im Fernsehen gesehen hatte. Es stellte sich heraus, dass es um „Schoßgebete“ von Charlotte Roche ging. Im Schlepptau hatte der Mann seinen Sohn, der in einer lustigen Lederkluft steckte und mir erklärte, dies zu tragen, weil ja jetzt in München das Oktoberfest sei. Wir tauschten Handynummern aus, um uns die Tage zu treffen.

Nach einem Treffen am nächsten Tag und einem weiteren ein paar Tage später entschied ich mich, der Einladung von Harald – so der Name des 22-Jährigen Medieninformatik-Studenten aus Wien – und seinem Vater Manfred zu folgen. Ich fragte mich also hier im Projekt durch, wie ich am besten ins rund 500 Kilometer entfernte Oudtshoorn komme und reservierte letztlich einen Sitzplatz in einem der Überland-Busse. Maren fuhr mich dann in unserer Mittagspause am Freitag zu dem vereinbarten Abfahrtort und so war ich dann relativ spontan auf dem Weg nach Oudtshoorn, was zum Gebiet „Klein-Karoo“ gehört. Ich war so aufgeregt, dass ich die Nacht vor der Abreise kaum schlafen konnte, denn immerhin würde ich alleine durch 1/5 des Landes reisen auf dem Weg zu Leuten, die ich im Grunde gar nicht kannte. Die Reise entpuppte sich als ziemlich cooler Trip. Während ich in Deutschland nichts mehr hasse, als lange im Auto zu sitzen, so genoss ich die sechsstündige Fahrt mit Blick auf Kapstadt, entlang der Berge, mit Blick auf das Wasser.

Pünktlich um 20 Uhr kam ich dann in George an, wo ich von Harald mit dem Pick-up seines Vaters abgeholt wurde. Wir brauchten noch mal über eine Stunde um auf die Farm zu gelangen, die wiederum 20 Kilometer von der nächsten Straße entfernt in einem Tal lag. Völlig erschöpft ging ich am Freitag schlafen. Da es bei meiner Ankunft schon dunkel war, hatte ich keinen Eindruck von dem Ort, an dem ich die folgenden zwei Tage verbringen sollte.

Umso erstaunter war ich am nächsten Tag in aller Frühe, als ich vom Bett aus auf Percey-Schafe blickte, die um den künstlich angelegten See grasten. Irgendwo krähte ein Hahn, um das Farmerhaus erstreckten sich die Berge. Nach dem Frühstück um 8 Uhr zeigten mir Harald und sein Vater die beeindruckende Farm. Manfred hatte die Farm vor etwa 10 Jahren gekauft, nachdem er mehrere Jahre mit einer Yacht um die Welt gesegelt war. Südafrika war das Endziel seiner Reise. Der 76-Jährige hatte das Kindermädchen von Harald vor fünf Jahren geheiratet. Die Philippinin ist gerade mal zwei Jahre älter als ich und hat mit ihrem Mann zwei  Söhne – 3 und 7 Jahre alt. Neben der Farm an sich war es also auch sehr interessant diese Familienzusammensetzung und das Leben dieser Familie etwas kennenzulernen.

Nach dem Rundgang durch das Gebiet des Farmerhauses, bei dem ich mich vergeblich bemühte, mich den scheuen und auch etwas unheimlichen Straußen zu nähern, machten wir uns mit dem Pick-up auf eine 3-stündige Fahrt durch das 17 Quadratkilometer große Land, das zu der Farm gehört. Bewaffnet mit Kontaktlinsen, Sonnenbrille und einem Feldstecher entdeckten wir Zebras und Orix und später auch zwei Landschildkröten, Schweine und Kühe. Nach dem Mittagessen lud mich Harald auf sein Quad und fuhr damit auf einen der angrenzenden Berge. Die überaus abenteuerliche Fahrt über gröbstes Geröll lohnte sich durchaus: Der Blick auf die Farm war einfach fantastisch. Leider hatte mein Kamera-Akku morgens schon den Geist aufgegeben, so dass ich das leider nicht auf meiner Speicherkarte festhalten konnte.

Den nächsten Tag zog es uns in die Cango Caves, die etwa 70 Kilometer von der Farm entfernt liegen. Der Weg dorthin war gesäumt von anderen Farmen und wir entdeckten tatsächlich Giraffen. Wirklich ein unglaublicher Anblick, zumal die Gruppe auch Nachwuchs hatte.

Die Cango Caves ist eine der größten Tropfsteinhöhlen, deren Entdeckung schon ziemlich lange zurück liegt. Angeboten werden zwei Führungen: eine normale Führung, die eine Stunde dauert, und eine Abenteuer-Tour, die etwa anderthalb Stunden lang ist. Die Abenteuer-Tour führt durch sehr sehr enge Bereiche, durch die man sich förmlich durchquetschen muss. Im Eingangsbereich der Caves gab es ein paar Fotos. Ich erinnerte mich an meine Angst vor Aufzügen als ich klein war und meine Albträume, lebendig begraben zu werden. Damit war die Entscheidung für die normale Führung gefallen. Die Höhlen sind wirklich unglaublich schön, riesige Hallen, in denen auch bis vor kurzem Konzerte stattfanden. Am Ende war ich etwas enttäuscht, dass ich mich nicht getraut habe, über meinen klaustrophobischen Schatten zu springen – aber man soll ja immer einen Grund haben, noch ein weiteres Mal zu kommen.

Den Abend verbrachte ich mit Harald in einer Billard-Kneipe, am Montagmorgen brachte er mich in aller Frühe zum vereinbarten Treffpunkt in George, wo der Bus um 6 Uhr abfuhr. Wenige Stunden später war ich dann wieder zurück im Alta du Toit.

 

 


2 Gedanken zu Ein Wochenende in Oudtshoorn

  • Witzig! Dann warst du gerade mal 70 km von uns weg 🙂 Sind gerade in Mossel Bay für unser Auslandsjahr, nächstes mal kannst du ruhig mal vorbeischauen 😀

  • Hey, mach ich, wenn ich mal wieder dort bin – oder ihr meldet euch einfach, wenn ihr in Kapstadt seid, da können wir mal was zusammen machen 🙂

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