Zwischenbericht aus dem fernen Polen

Jetzt bin ich mittlerweile schon so lange hier, dass ich gar nicht mehr alle Leute aufzählen kann die ich kennen gelernt habe und alles was ich jeden Tag gemacht abe… Ich meine, länger als drei Wochen war ich noch nie von Zuhause getrennt!

Polen ist ein echt nettes Land. In vielerlei Hinsicht sehr ähnlich zu Deutschland, was zum Beispiel das Wetter, die Landschaft oder die Dinge im Supermarkt angeht. Die Strassen sind alle in Ordnung, es gibt viele Autos und auch Strassenbahnen und Busse (die aber viel wackliger und aufregender sind als die deutschen – wobei sie einige in Deutschland geklaut haben müssen, in einem stand letztens “Bitte während der Fahrt nicht mit dem Wagenführer sprechen”. Nein, nicht geklaut. Stimmt ja mal gar nicht, dieses böse Vorurteil, mehr als in Deutschland oder anderen Laendern wird hier auch nicht entwendet. Es gibt auch Kühe und Hühner und Hunde und Katzen.

Auf der anderen Seite entdecke ich echt jeden Tag etwas neues, was mich daran erinnert, dass ich mich doch ein bisschen östlicher in Europa befinde. Nein, natürlich vergesse ich das nie, dafür ist die Sprache echt zu seltsam. Manchmal nervt es ein bisschen die ganze Zeit kaum was verstehen zu können. Deswegen weigere ich mich mein Facebook oder Handy auf Polnisch umzustellen, sonst fühl ich mich noch völlig verloren. Es sprechen viele Leute kein Englisch, deswegen hab ich am zweiten Tag gleich mal den Satz “Przepraszam, nie mówie po polsku, jestem Niemka” auswendig gelernt. Aber mittlerweile müsste ich „Verzeihung, ich spreche nur ein bisschen Polnisch, ich bin Deutsche” sagen. Ich lerne echt jeden Tag etwas Neues, habe mittlerweile dreimal die Woche einen Sprachkurs und war diese Woche sogar allein im Laden um nach Briefmarken nach Deutschland zu fragen.

Ich wollte was zu den Unterschieden sagen

Ja, Religon ist das erste Stichwort. Vieeele sehr katholische Menschen um mich rum, aber ich bin ja auch auf einer katholischen Schule gelandet, ne. Es ist wahnsinning ungewohnt, manchmal auch ein bisschen unangehnem, wenn alle um mich herum das Gleiche vor sich hinmurmlen, mit ihren Gedanken völlig darauf konzentriert und ich stehe nur dumm dazwischen und gucke dumm in der Gegend rum. Ich bin nunmal kein Stück religiös und das wird sich auch nicht ändern während meiner Zeit hier (aber meine Gastmama macht dauernd kleine Andeutungen von wegen heute stehe ich noch genau am Schild der Bushaltestelle, morgen auf der anderen Strassenseite genau vor der Kirche… ). Wie auch immer, es ist ungewohnt, aber auch ziemlich interessant, so viele Menschleins in meinem Alter, die sich nicht nur des Geldes wegen firmen lassen, sondern sogar jeden Morgen vor der Schule noch schnell in der Kirche vorbeischauen…

Es gibt viele kleine polnische Traditionen, die jeder einhält. Nur um ein paar zu nennen, halten männliche Wesen den Frauen immer die Tür auf bzw. lassen sie zuerst durchlaufen. Irgendwie etwas unnötig ein bisschen, wenn z.B. alle Schüler in die Aula gehen sollen und dann die Hälfte der Schule, nämlich der männliche Part, vor dem Eingang steht und dafür sorgen muss, dass alle Frauen zuerst durch die Tür treten. Im Grunde gefällt es mir aber eigentlich, wenn ich zurück in Deutschland bin, werd ich wahrscheinlich vor einer geschlossen Tür immer stehen bleiben, weil ich es gewohnt bin, sie von jemand anderem geöffnet zu kriegen. 😉

Außerdem wirft man meistens ein Dankeschön (Dziekuje bardzo) in den Raum, wenn man vom Tisch aufsteht. Man sagt es zu niemand bestimmten, aber es ist nun mal so. Gefällt mir, diese Gewohnheit. Und Aberglaube ist auch ziemlich alltäglich. Meine Gastfamilie war mit mir im Salzbergwerk, da war ein kleiner unterirdischer See, der wahrscheinlcih sehr kalt und salzig war, aber vorallem voller kleiner Münzen. Also hab ich auch eine bekommen, und hab sie, ehm, halt reingeschmissen. Meine Gastschwester tickt komplett aus, und gibt mir eine Neue und dann hat auch die Touristenführerin (die glücklicherweise Englisch sprach)
erklärt, dass das mit der rechten Hand über die linke Schulter passieren muss, währenddessen darf man sich etwas wünschen (small coin – small wish, big coin – big wish, credit card- unlimited wish ;)). Eine Klassenkameradin ist zum Beispiel auch
fest überzeugt, dass ihre Träume wahr werden. Meine Vermutung ist, dass sie nur von so Dingen wie in die Schule oder aufs Klo gehen träumt. Ich will zumindest nicht, dass alles was nachts in meinem Kopf vorgeht, wahr wird…

In der Schule ist alles fein, ich werde nicht lange über Lehrer reden….

Ich bin besser drauf, wenn ich viel vorhab, viele Termine, viele nicht ganz so alltägliche Dinge. Auch wenns nur schwimmen gehen ist, was ich bis zu dreimal die Woche tue, ist es eine Abwechslung zum Daheimrumsitzen. Meine Gastschwester ist ein Jahr jünger, aber ziemlich schüchtern… hoffentlich kriegen wir das noch zusammen hin. 🙂  Mein Bruder auch eher der schuechterne Typ, aber er klopft zumindest immer an meine Zimmertür, wenn ich gerade Gitarre spiele und fragt ob er zuhören darf. 🙂

Ich wurde schon von zwei Klassenkameradinnen eingeladen, das Wochenende bei ihnen zu verbringen, ein Mädchen hat mir auch schon angeboten, dass sie mir gerne ein oder zwei Ohrlöcher stechen könnte, weil sie das sehr gut kann anscheinend…. O.o Aber ich verstehe mich mich allen echt gut und hatte hier tolle erste drei Wochen. 🙂

So, ich geh jetzt schwimmen und dann zeigen mir die Mädels vom Internat den “Strawberry Hill”. Soll ein sehr schöner Hügel mit sehr schöner Aussicht sein, was er mit Erdbeeren zutun hat, konnten sie mir allerdings noch nicht erklären…
Bilder einzufügen habe ich gerade keine Zeit, aber ich habe ein Album auf Facebook. Das ist der öffentliche Link:

http://www.facebook.com/media/set/?set=a.2170192492162.2117213.1167210592&l=8830e80998&type=1

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