Drei Wochen mexikanisches Leben!

Nach mittlerweile zwei Wochen in meiner neuen Heimat, hat sich schon so ein kleiner Alltag eingestellt, mit dem ich sehr zufrieden bin. Es gibt so einige Unterschiede, die ihr aber am besten selbst herausfindet 🙂

Meine Wochentage beginnen so um 7:00 Uhr. Ich tue mich leider immer sehr schwer damit aufzustehen, weil es so kalt ist! Das Wetter ist hier eh so eine Sache für sich… nachts und am Morgen total kalt, sodass die ganzen Häuser auskühlen, und dann scheint am Tag die Sonne und es ist sehr warm. Außerdem ist momentan Regenzeit, aber so extrem viel Regen habe ich noch nicht erlebt – zum Glück, denn es regnet durch mein Zimmerfenster rein, Dichtungen gibts nicht…

Nach dem wiederwilligen Aufstehen, begebe ich mich in die Küche und frühstücke Cornflakes oder ne Mango (die sind hier so extrem lecker!!!). Dann heißt es um kurz nach halb acht auch schon “vamos!” und ab gehts ins kalte Auto. Erst durch den Verkehr zur Schule, Diana wegbringen, dann weiter durchs Zentrum ins Büro.

Dort verbringe ich dann den Tag bis etwa 14:00 Uhr (mehr zur Arbeit in einem folgenden Blogbeitrag), um dann mit unseren Chefs zur Schule zu fahren und dort schnell in das Auto meiner Gastmutter zu hüpfen – das ist ein sehr wilder Wechsel! Denn vor den Schulen ist immer ordentlich was los! Es gibt extra einen uniformierten Mann, der versucht das alles zu koordinieren, aber trotzdem ist die ganze Straße immer ein reinster Stau. Grund hierfür ist einfach, dass in Mexiko keiner zu Fuß geht. Also keiner, der irgendetwas auf sich hält! Hier zählt die Devise: Je größer und teurer das Auto, desto besser! Es gibt wohl viele, die nicht mal mehr ein Dach überm Kopf haben, aber sich mit Krediten ein teures Auto “kaufen”, nur, um nicht als “arm” zu gelten. Man zeigt sich also gerne mit seinem tollen, großen Auto. Bedeutet: Wenn man in der selben Straße der Schule wohnt, fährt man halt noch einmal um den Block, um sein Kind zur Schule zu bringen.

Haben wir uns mit unserem großen Auto dadurch gewuselt, gibt es so um 15 oder 16 Uhr immer Mittagsessen, was sich mit abräumen auch ein Weilchen hinzieht. Danach habe ich etwas Zeit zum Rumdüdeln oder Sachen machen, wie zum Beispiel Bett neu beziehen.

Gegen 17/18 Uhr mache ich mich dann auf den täglich Weg zum “Gimnasio People”, meinem Fitnessstudio. Nachdem ich auch dorthin die ersten Tage immer gefahren wurde (es sind sage und schreibe vielleicht 500m), habe ich es glücklicherweise mittlerweile geschafft meine Gastelter davon zu überzeugen, dass ich das auch sehr gerne zu Fuß gehe! Dort angekommen mache ich zusätzlich zu den Geräten zweimal die Woche “Zumba”, was so mega anstrengend ist!!! Total gut! Vielleicht versuche ich mich demnächst auch mal im “Tae Kwondo”…  Wenn ich dann total durchgeschwitzt und Muskelkater geplagt um spätestens 20  Uhr wieder zu hause bin, will ich nur noch duschen! Danach mache ich mit Diana manchmal Englischhausaufgaben, unterhalte mich mit meinen Eltern, oder mache etwas in meinem Zimmer. Und sobald ich dann im Bett liege, schlafe ich auch immer sofort ein…

 

Gastfamilie:

Meine Familie ist in einigen Punkten nicht sehr typisch mexikanisch, in anderen wiederum schon. Typisch ist zum Beispiel, dass die Eltern sehr übertrieben besorgt sind, was ihre Kinder angeht. Sie fahren “uns Kinder” überall hin, damit uns nichts passiert, alleine rausgehen ist auch eher nicht so gang und gäbe. Zu Fuß gehen ist bei denen auch eher unnormal, weil sie halt eine Familie sind, die was auf sich hält und sich daher gerne mit ihrem großen Auto zeigt. Untypisch ist, dass sie ziemlich viel Geld haben und auch sehr so auf Hygiene und Sauberkeit bedacht sind. Desinfektionsmittel findet bei uns reichlich Verwendung.

Zu meiner Familie gehören ja eigentlich die Eltern Joel und Ana Luisa, sowie meine Schwestern Any und Diana. Da Any aber in Puebla studiert und nur alle zwei Wochenenden kommt, sind wir meist zu viert zu hause. Plus der Hündin Maya, die allerdings meist in der Waschküche liegt, was mir ganz recht ist 🙂 Außerdem kommt dreimal die Woche unsere Haushälterin. Sie ist den ganzen Tag da, putzt das komplette Haus, wäscht unsere Wäsche, kocht das Essen und isst dann mittags auch mit uns. Sie ist total nett, aber irgendwie tut sie mir ein bisschen leid. Sie ist halt erst 25 Jahre alt und das ist anscheinend ihr Job…

An manchen Tagen ist unser ganzes Haus voller Leute: die Haushälterin, zwei Gärtner wuseln im Garten rum, dann noch ne Gruppe Techniker,… echt verrückt!

Alle sind wirklich sehr sehr nett. Die Eltern arbeiten viel, Joel kommt oft erst gegen 22:00 Uhr von der Arbeit. Ana teilt sich als selbstständige Anwältin ihre Arbeitszeiten so ein, wie es ihr gut passt. Besonders schön sind oft die gemeinsamen Abendessen, wenn wir einfach noch rumsitzen und reden. Über beispielsweise HartzIV, Unterschiede Deutschland-Mexiko, Wetter, Schulsysteme, mexikanische Geschichte, oder darüber, wo wir gerne nochmal hinreisen möchten… Die geben sich immer so viel Mühe mit mir zu reden, möchten auch gerne immer wissen, was etwas auf Deutsch heißt – was dann aussprachemäßig immer extrem lustig ist!

Das Haus ist sehr groß und wir haben sogar ein extra Wii-Spiel-DVD Zimmer mit riesigem Fernseher! Außerdem besitzen wir eine Spülmaschine, was hier voll der Luxus ist und so ungewöhnlich, dass es in der ganzen Stadt keine Spülmaschinentabs gibt! Im Garten pflücken wir frische Limonen und Orangen.

Wochenenden:

Die Wochenenden gehöre ich, nach einiger Diskussion, immer ganz meiner Familie. Eigentlich wollten meine Chefs, dass ich auch Samstag und Sonntag noch arbeite, aber das war so gar nicht im Sinne meiner Familie… dann sollte ich sagen, was ich will… Hin-und her… Jedenfalls bin ich jetzt ganz froh mit dem, wie es ist.

An einem Wochenende zum Beispiel haben wir einfach nur lange ausgeschlafen, waren dann auswärts frühstücken, sind danach einkaufen gefahren, haben DVDs ausgeliehen und dann den ganzen Tag, warm eingekuschelt mit heißer Schokolade,
Filme geschaut. Meine Familie ist da sehr locker und gemütlich, am Wochenende wollen sie einfach ausschlafen und schöne Sachen mit der Familie machen.

Letztes Wochenende waren wir ganz spontan in der kleinen, alten Stadt Cuetzalan. Haben Freitagabend alle zusammen im Internet nach Hotels gesucht und recherchiert… das war wieder sehr schön! Samstagmorgen sind wir früh losgefahren
durch wildeste Bergstraßen. Nach zwei Stunden Autofahrt war das Klima gleich etwas anders: sehr warm, Sonne, feuchter und dadurch auch etwas “dschungeliger”. Die kleine Stadt ist total schön, so dass wir viel zu sehen hatten.

Zentraler Platz in Cuetzalan.
Zentraler Platz in Cuetzalan.
Ja, es sind Menschen!!! Ist hier so Tradition...
Diana, Any und ich mit denen, die da gerade noch in der Luft herumwirbelten :)
Diana, Any und ich mit denen, die da gerade noch in der Luft herumwirbelten 🙂
Die Tänzer in den bunten Trachten.

Zur Abkühlung haben wir dann im Hotelpool gebadet und sind dann abends zu einem großen Fest gefahren, auf dem es Musik, Tanz, traditionelle Trachten, Kuhreiter und leckeres Essen gab.

Am nächsten Morgen sind wir auf den riesigen Markt gegangen, der beinahe die gesammte Stadt einnimmt. Ich hätte mich arm-kaufen können, so viele wunderschöne Handwerkssachen gab es dort! Blusen, Schmuck, Taschen,…

Taschen, Stoffe, ...
Obst, Gemüse, ...
Schweineköpfe! Und Hühnerfüße werden auch vor deinen Augen abgehackt.

 

Tortillas in allen Varianten werden überall an Ständen frisch gebraten - lecker!
Bohnen, Bohnen, Bohnen... ohne Ende!

Weniger schön waren allerdings die ganzen armen Leute, die einem barfuß hinterher liefen und dich anbettelten, dass du irgendwelche Sachen von ihnen kaufst. Sie folgen dir sogar in Restaurants! Als wir gerade genüsslich ein Eis aßen, kam wieder ein ganz kleines Mädchen mit Armbändern an. Joel fragte sie dann, ob sie Durst hat, oder vielleicht ein Eis möchte. Wir erfuhren, dass sie täglich vier Stunden zu Fuß hierher kommt, um Sachen an Touristen zu verkaufen. Der Bus ist zu teuer. Also bekam sie ein Eis und $10 für den Bus von Joel. Sie hat sich ganz doll bedankt und lief freudestrahlend mit dem Eis davon – eine gute Tat!?!?!

Toiletten:

Es mag vielleicht etwas seltsam klingen, aber hier sind Toiletten wirklich einen Eintrag wert! In der Woche Mexiko City war ich einfach immer normal auf dem Klo, habe mich nur gewundert, warum die Kloschüsseln nicht durchgehend geschlossen sind, sondern vorne offen. Die Frage konnte mir bisher leider auch kein Mexikaner beantworten, es sei hier aber traditionell so.

Jedenfalls war ich dann das eine Mal in dem Immigrationsbüro in Mexiko City auf Klo. Und dort spülte ich… das Becken füllte sich und füllte sich…irgendwann wurde es so viel Wasser, dass es beinahe dem Überlaufen drohte und ich lieber schnell floh! Oh man, da hatte ich echt irgendwie ein schlechtes Gewissen, aber was sollte ich machen?!?! Und noch während meiner Flucht vor den Toilettenfluten erinnerte ich mich an etwas, was ich mal gehört habe “…manchmal kann man kein Toilettenpapier in das Klo werfen…”. Aha! Das wars wohl! Also habe ich das mal genauer untersucht und festgestellt, dass neben jedem Klo ein Eimer für das Papier steht. Deswegen war meine erste Frage zu Hause dann auch, wie es hier ist. Und, ja, leider in den Eimer… das ist so schwer sich daran zu gewöhnen… aber mittlerweile gehts! Das Toilettenwasser ist außerdem blau, wie im Chemieklo und spülen tut es auch sehr, nun ja, träge…

Man gewöhnt sich einfach an alles!!!


5 Gedanken zu Drei Wochen mexikanisches Leben!

  • Hey Carina!

    Es freut mich sehr, dass es dir gut geht und deine Familie nett ist.
    Es geht mir genauso. 😉 Außerdem habe ich diese Woche auch mit Zumba angefagen und es macht viel Spaß!
    Ich wünsche dir weiterhin eine tolle Zeit in Mexiko!

    Kind regards from England 🙂

  • hallo carina,

    Ich finds super, dass du die Klogeschichte hier so offen teilst!
    Mir ist das zum Glück nicht passiert, da mir das vorher oft gesagt wurde, aber wenn man das nicht weiß, wie soll man darauf kommen?
    Ich finde es auch noch sehr ungewohnt…

    Liebe Grüße, Nathalie

  • An alle besorgten:
    Ja, es geht mir noch immer sehr gut!

    Ich warte nur mit meinem nächsten Blogeintrag, bis etwas erwähnenswertes passiert 🙂

    Beste Grüße!

  • was waren denn so echt typische alltagsgerichte?
    weil was man im netz findet weiß ich nicht ob es Spezialitäten sind.
    wir haben nämlich ein schulprojekt in dem wir alltagsgerichte kochen müssen (in unserem fall aus Mexiko) und begründen müssen wieso es oft gegessen wird (anbaubedingungen, preis…) wäre nett wenn sie zurückschreiben könnten.
    Ps. es wäre nett wenn du die antwort als email schreiben könntest.
    Danke

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