Die negativen Seiten…

Natürlich gibt es auch negative Seiten (von den vielen Mücken mal abgesehen). Gerade habe ich ein kleines Tief, ich habe Kopfschmerzen und langweile mich. Natürlich ist es normal, dass man oft nichts zu tun hat, aber es ist einfach sehr ungewohnt so eingeschränkt zu sein. In Deutschland war ich selbstständig, ich konnte mein Haus verlassen und betreten wann ich wollte und mit 18 Jahren waren mir wirklich alle Türen offen, so kam ich mit dem Auto schnell von A nach B. Hier ist es anders. Erstens ist Brasilien ist gefährlich(er) und zweitens ist man doch sehr eingeschränkt, wenn man die Landessprache nicht beherrscht und in einem etwas chaotischen Land lebt. Ich fühle mich so unselbstständig, da ich hier fast nichts alleine kann. Den Bus nehmen gestaltet sich schon als Schwierigkeit, da es so viele verschiedene gibt und man ja auch wissen muss, wo man aussteigen will. Da meine Gastfamilie kein Auto hat, bin ich auf den Bus angewiesen.

Gerade ist in der Schule eine Woche, wo alle Arbeiten geschrieben werden. Zwei bis drei an einem Tag. Ich muss diese Arbeiten mitschreiben, es handelt sich um Multiple-Choice-Fragen, was es etwas vereinfacht. Ich sitze also ca. 20 Minuten vor dem Papier und kreuze auf gut Glück mal a,b,c,d oder e an. Meine Gastschwester scheint es genau so handzuhaben, denn wir sind immer gleichzeitig fertig. Dann geht es nach Hause. Ich bin also gut 1, 5 Stunden unterwegs um 20 Minuten wahllos etwas anzukreuzen. Das ist schon etwas frustrierend. Ich bin sehr müde und habe Kopfschmerzen, aber vor 23 Uhr geht hier keiner schlafen, d.h. überall ist Musik oder es läuft ein TV, was das Schlafen manchmal schwierig gestaltet… Ich hab nichts zu tun, häng oft vorm PC und denke an meine Freunde in Deutschland. Es ist nicht so, dass ich Heimweh habe, aber ich bin einfach etwas genervt, da ich nichts machen kann und überall Lärm ist. Eigentlich habe ich nur, wenn ich in der Nacht aufwache einen Moment der Ruhe. Meine Gastschwestern machen das Ganze auch nicht besser, wenn sie mir wie einem Hund den Kopf kraulen oder laut singen oder mich spaßeshalber anschreien. Ich schätze sie sehr, aber manchmal wäre ich gerne in einem Haus mit dickeren Wänden!

Mir geht es hier gut, und ich schätze die Zeit, die ich hier habe, aber ich bin deutlich eingeschränkt in meiner Bewegungsfreiheit, was mir vorher zwar bewusst war, aber das Ausmaß ist doch anders als erwartet.

Ich bin im Ganzen sehr zufrieden mit meiner Situation, doch wenn man sich mit anderen Austauschschülern austauscht (was die Sprachfortschritte, Freunde und Familie angeht) oder daran denkt, was man in Deutschland jetzt alles machen könnte, kommt es schon mal zu etwas Sehnsucht…

Durch die viele Zeit, die ich hier habe, denke ich viel über mein Leben hier und auch in Deutschland nach, was an sich nicht schlecht ist, aber es ist ungewohnt, so viel Zeit zu haben und ich werde irgendwie brutal mit mir selber konfrontiert…Ich habe viele gute Ideen und Gedanken, aber auch die negativen lassen sich auf Dauer eben nicht verdrängen…


2 Gedanken zu Die negativen Seiten...

  • oh man du hörst dich ja genau so an wie ich 🙂 das wiiird glaubs mir, uns haben sie auch immer eingeredet geht nich raus bla naja und der bus war am anfang auch übel das chaos aber irgendwann ergibt sich was hab ich so gelernt.Und in den ersten Monaten hab ich ein paar mal dran gedacht….ich würde jetzt in Deutschland das und das machen , geht anscheinend allen gleich. chill und lass alles so kommen wies kommt hehe das hat mir das auslandjahr bis jetzt versüßt 🙂

  • Haha jaa ich glaube, das ist am Anfang bei allen gleich. Ich denke auch oft „warum denkst du jetzt an Deutschland? Du bist nunmal hier und nicht da und hier ist es auch sehr geil!“ Aber manchmal kommt halt alles zusammen und dann bin ich genervt. Ich bin mir sicher, dass sich das alles noch ein bisschen entspannen wird wenn ich die Sprache besser kann und mich in der Stadt besser orientieren kann!
    Danke für die aufmunternden Worte, gut zu wissen, dass es anderen genauso oder ähnlich ergeht! 🙂

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