Ankunft in Russland

Ja, jetzt bin ich hier, wirklich hier. Es ist so viel passiert in den ersten Wochen. So viele schöne Dinge, so viele nette Menschen… Um ehrlich zu sein weiss ich nicht wo ich anfangen soll 🙂

Vielleicht am Anfang. Also das Camp, es war sehr anstrengend. Ja, doch das muss man schon sagen. Wir hatten wahnsinnig viel Programm, es waren immer Menschen um mich herum. Es war natürlich so oft auch wundervoll, Gespräche mit Leuten aus 15 Ländern führen zu können. Man muss sich das so vorstellen: Wir Deutschen sind 2 Stunden nach Moskau geflogen, es war mein erster Flug und um ehrlich zu sein, hätte ich es mir ein wenig entspannter vorgestellt. Es waren wirklich zahlreiche Sicherheitskontrollen und dann muss man hier warten und da warten. Bei einer Deutschen wurde sogar der Föhn auf Drogen getestet, mit einem Wischtest. Ich habe keine Ahnung was das sollte…

Irgendwann sind wir dann endlich aus dem ganzen Flughafensecuritybereich herausgekommen und wurden von AFS-Russland sehr freudig begrüßt. Der erste Eindruck: Die Russen sind sehr verrückt und total überdreht. Aber hey, ich war auch wirklich fertig nach all dem Koffer umpacken noch bis Mitternacht, weil er einfach zu schwer war. Am Flughafen haben wir dann noch auf die Italiener, die Schweizer und die Thailänder gewartet. Die Italiener hatten alle ihre Flaggen umgehängt und geschrien und gejohlt, wir kennen sie ja die Italiener 🙂 Irgendwie war es auch schon lustig, wir Deutschen hocken alle am Boden rum und sind total fertig und die Italiener voller Energie.

Ja, und dann ging das Camp los. Etwa eine halbe Busstunde vom Flughafen entfernt in einem alten Kindererholungsheim. Es ist wie ein Puppendorf, überall bunte Holzhäuser, mitten im Wald. Es war irgendwie auch so, nicht real. Das ist wirklich sehr schwer zu beschreiben. Es war der Tag auf den wir uns wirklich ein Jahr vorbereitet haben von der Bewerbung und den Vorbereitungen und jetzt ist er da… jetzt geht es los. Und wo geht’s als erstes hin? In ein Ferienanlager ziemlich isoliert im Wald. Es war besser so, jetzt kann ich das sagen. Wir hatten jeden Tag drei Stunden wirklich intensivsten Russischunterricht. Nur Grammatik. Nein, das war absolut kein Spaß, aber es hat geholfen. Jeden Tag hatten wir bis 23 Uhr Programm und wenn man zu sechst in einem Zimmer ist und sich zu acht eine Dusche teilt, ist es unmöglich sofort ins Bett zu gehen. Ja, und sich dann um halb acht sich fürs Frühstück fertig zu machen.
Um es kurz zu machen, es war hart. Die erste Woche ist immer hart. Es war besser sie in diesem Umfeld, mit diesen Leuten verbracht zu haben.

Von Moskau sind wir dann in unseren Ort Klin gefahren. So gute zwei Stunden und natürlich standen wir im Stau, etwas typisch russisches. Wir, das sind: ein Italiener und eine Italienerin, ein Japaner, ein Amerikaner, ein Schweizer und ich. Wir alle wohnen in der selben Stadt, aber doch sehr verstreut. Unsere Familien haben wir dann auf einem Parkplatz getroffen. Alle Familien waren da, außer meine. Es sind dann alle mit ihren Familien weg gefahren und ich stand da mit einer Frau. Ich wusste nicht wirklich in welchem Verhältnis wir zu einander stehen, ob sie meine Mutter oder Tante oder Lehrerin ist. Irgendwann hat sie mir erklärt, dass wir auf meine Familie warten, die im Stau steht. Sie ist meine Betreuerin, Polina. Wann mir das aufgegangen ist kann ich nicht mehr genau sagen.

Meine Gastmutter Elvira und Gastschwester Lena sind dann mit dem Taxi gekommen und ich habe als erstes gedacht, das können unmöglich Mutter und Tochter sein, vielleicht Schwestern. Elvira sieht aus wie Mitte 20.  In echt ist sie 36, was auch sehr jung ist. Ja, und dann ist noch meine Rektorin vorbeigekommen. Sie ist die Mutter von Polina. Polina ist zu dem auch noch meine und Lenas Englischlehrerin.

Die Rektorin hat dann mich und meine neue Familie nach Hause gefahren. Das war eine peinliche Situation. Ich meine, wenn ich in Deutschland im Auto meines Rektors mitfahren müsste,… Nein, gar kein schöner Gedanke. Natürlich waren alle super nett, aber wir waren einfach zu aufgeregt um etwas zu reden.

Mein neues Zuhause ist ein Hochhaus, ja es ist nicht wirklich schön. Aber hey, das macht nichts. Ich will ein authentisches russisches Leben und keinen Luxusurlaub 🙂 Vor dem Haus stand auch mein Gastopa Wowa, der hat sich dann meinen Koffer geschnappt und ihn die drei Stockwerke hochgeschleppt. Dann wurde ich verhätschelt. Erstmal gab’s Borschtsch, so eine Art Nationalgericht hier. Es ist eine Rote-Beete-Suppe mit Hackfleisch und natürlich Schmand dazu. In Anwesenheit aller habe ich meine Koffer ausgepackt. Mir war das schon peinlich, aber ich wollte sie auch nicht wegschicken. Es war erst 17 Uhr und ich wollte wirklich noch nicht schlafen gehen, also habe ich Lena gebeten mir die Gegend zu zeigen…

Ich erzähle euch bald von meinen ersten Begegnungen und Eindrücken, aber dieser Artikel ist sowieso schon viel zu lang und das russische Leben macht niemals eine Pause. Verbringt eine schöne Zeit, wo immer ihr auch gerade seid. Wir schreiben uns 🙂


2 Gedanken zu Ankunft in Russland

  • Hallo Tanja,

    freue mich über Deine Einträge und wünsche Dir noch ein paar super schöne Monate in Rußland. Witzige Idee vom Schulrektor und der Englischlehrerin spazieren gefahren zu werden 🙂

    Wir werden viel zu lachen haben, bei Deiner Rückkehr…

    Deine Mama

  • da kann ich mir nur anschließen TANJA!

    ich bin unglaublich froh dass ich dich habe.
    unvorstellbar was du alles erlebst, ich freu mich so für dich!!
    greetings from south carolina, palmetto state forever.
    i muss you.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>