Mein erster Tag in der Schule

Kam Mittwoch gut an, Donnerstag gleich mal um 7 Uhr aufstehen und in die Schule.
Und zwar in weißer Bluse und schwarzem Rock, es ist nämlich eine katholische Schule (wie alles in Polen) und an besonderen Tagen muss man sich eben so anziehen und es geht in die Kirche. Meine Schule ist auch ein Internat, es ist wie ein großer Campus, es gibt das Schulgebäude, Häuser,  wo die Internatsschüler drin wohnen, ein Schwimmbad, eine Turnhalle, das Büro der Stiftung, die u.a. die AFS-Angelegenheiten übernimmt und natürlich eine Kirche.

07.00 Uhr:
Wecker klingelt. Ich hatte die Nacht im Gästehaus der Schule verbracht.

07.30 Uhr: Frühstück in der Mensa.

08.00 Uhr : Kirche. Keine Ahnung wie Gottesdienst in Deutschland abläuft, bin noch nie dort gewesen. Habe kein Wort verstanden ausser “Amen”.  Irgendwann habe ich meine Pumps ausgezogen, weil meine Füße vom vielem Herumstehen weh taten. Ein Ministrant vorne auf seinem Stuhl hat halb geschlafen, aber das kümmerte niemanden. Einige Mädchen haben ab und zu etwas Schönes gesungen…

09.00 Uhr: Unterricht. Normalerweise fängt er um 8Uhr an und die Schüler tragen blaue Pullis oder T-Shirts oder Westen mit dem Schullogo. Danuta, ein Mädchen das grad 10 Monate bei Nürnberg war, zeigte mir meine Klasse. Hat 10 Minuten gebraucht bis wir sie gefunden haben. Ich bin in der 1A, die Schüler sind alle ungefähr 16 und auch ganz neu auf der Schule. Unte neugierigen Blicken habe ich mich vorgestellt und wurde nett vom Reli-Lehrer/Direktor/Pfarrer auf englisch begrüßt. Am nächsten Tag haben
wir noch ein paar Worte auf spanisch und französisch gewechselt. Alle sind begeistert von meinen Sprachkenntnissen. Sofort wurde ich von einem Mädchen namens Aleksandra begrüßt und sie hat mir gesagt wo wir als nächstes hinmüssen. Ist schön, gleich jemanden zu haben, an dem man sich dran hängen kann. Ich wurde sofort willkommen geheissen und fühlte mich wohl. So will man das doch.

09.35 Uhr: Fünf Minuten Pause und zum Computerraum. Mein Informatiklehrer ist langweilig und unfreundlich. Kein Kommentar mehr dazu.

10.30 Uhr: 10 Minuten Pause und in der Mensa gab es für jeden einen Berliner.

Danach Englisch bei meiner Klassenlehrerin in einem Mini-Raum wo jeder einen Stuhl hat, wo ein kleiner Tisch dranhängt. Sie haben den Unterschied zwischen “I’m interested in …” und “I’m interesting.” gelernt. 😀 Wir sollten erzählen, was wir in den Ferien gemacht haben und ein Typ meinte er hätte ein fünf-tägiges Survivalcamp im Wald hinter sich, nur mit einer Machete und einem Seil dabei…

12.25 Uhr: Wieder fünf Minuten Pause und dann Physik. Aleksandra sagt mir: “Our physics teacher is very handsome!”, ich freue mich schon und werde bitter enttäuscht. Er war überhaupt nicht handsome! Er labert und labert und ich schreibe währenddessen einen Brief.

13.10: Zwanzig Minuten Pause und dann Französisch, worauf ich mich wahnsinnig gefreut habe. Ich hab extra gesagt dass ich nicht Deutschunterricht will. Doch manche von ihnen können nichts ausser “Oui!” und somit werde ich vermutlich einen höheren Kurs besuchen. Ich durfte in eine Frankreichkarte große Städte, Nachbarländer und Flüsse zeichnen… Die Aussprache meiner
Klassenkameraden ist sehr unterhaltsam. Nur deswegen würde es sich schon lohnen in dem Kurs zu bleiben 😀

14.15 Uhr: Schule aus und ich werde zu meiner Gastfamilie gefahren! Juhu! Davor war ich noch kurz bei ein paar Klassenkameradinnen in ihrem Zimmer und habe polnische Schimpfwörter gelernt, juhu.

Meine Familie ist toll. Mein Gastbruder Wiktor ist 10 und total cool, meine Schwester Natalia, 13, ist genau so witzig. Meine Mama arbeitet als Köchin in meiner Schule, der Papa ist Maler/Anstreicher. Leider kann niemand mehr als drei Wörter auf deutsch und ich sehe ein Problem auf mich zukommen, wenn ich mich nicht richtig ins Polnische reinhänge. Aber ich bin motiviert, so schwierig kann es nicht sein. Das Haus, indem ich jetzt 10 Monate verbringe, ist ganz neu, es fehlt z.B. noch das Treppengeländer und das der Balkone… was mir ein wenig Angst macht.

Das mit der Sprache ist aber echt ein ernstzunehmendes Problem. Heute zum Beispiel ist Samstag, ich hatte es so verstanden, dass wir heute nach Krakau fahren, aber die Mutter war arbeiten, meine Schwester hat Hausaufgaben gemacht und ich saß den ganzen Tag rum und hab gelesen. Irgendwann bin ich mit meinem
Taschenwörterbuch zu Natalia und hab auf polnisch “Spaziergang, Dorf” gesagt. Also machten wir einen Spaziergang… das wars auch schon mit spannenden Dingen heute. Mein Gastvater hat mich einmal gefragt, ob ich daheim eine Muschi hab. Ich glaube, er meinte Katze. Auf die Frage, ob ich rauche, sagte ich nein, und er meinte nur, dass Zigaretten in Polen billiger sind. Gut zu wissen.

Sonst fühle ich mich hier sehr gut aufgenommen und glaub, dass man es hier gut 10 Monate aushalten kann. Ich hab vor, mindestens einmal im Monat hier was zu schreiben, hab aber jetzt schon ein schlechtes Gewissen, solange nicht aus meinem Zimmer geguckt zu haben.


2 Gedanken zu Mein erster Tag in der Schule

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