Chile & Deutschland! Finde die Unterschiede! 😉

So, heute habe ich nicht genügend Zeit, euch meine letzten zwei Wochen ausführlich zu beschreiben, aber ich will ich euch ein bisschen etwas über mein Zwischenergebnis der Unterschiedsuntersuchung zwischen Chile und Deutschland erzählen. 🙂

Schon von Anfang an war mir klar, dass Chile anders ist. Aber inwiefern und wie anders – das wusste ich noch nicht, musste es noch herausfinden.

Als wir am 28. August, circa eine Stunde nachdem wir in Santiago landeten, im Bus zum Arrival Camp fuhren, saß ich mit einem anderen Mädchen aus Deutschland im Bus, die Nasen an die Scheiben gedrückt, und nachdem wir die ersten chilenischen Eindrücke auf uns wirken ließen, diskutierten wir auch schon ganz heftig über die Unterschiede. Wir fuhren an Slums vorbei, richtigen Slums. Sie sind am Fluß gelegen und jede Blechhütte hatte höchstens eine Grundfläche von 16m². Und darin sollte eine ganze Familie leben?! Das konnten wir uns nicht vorstellen. Auch hatten wir noch nie zuvor so viel Müll gesehen. Der ganze Fluß, an dem die Slums (mehr oder weniger) standen, war voller Müll, Kadaver, streunender Hunde und kleiner Kinder, die dazwischen spielten. Das Wasser war braun (was zwar sicher auch daran lag, dass es Herbst war/ist, aber mit Sicherheit auch mit dem Dreck und den Abgasen zusammenhing) und trotzdem schwammen Enten darin. Auch als wir dann die Wohngegenden erreichten, war noch kein Ende zu sehen – auf den Straßen, im Gebüsch, in den Hinterhöfen – überall türmte sich der Abfall auf. Auch die Häuser waren lange nicht so gepflegt wie die Häuser in Deutschland. Sie waren ganz braun von den Abgasen und auch der Baustil irritierte uns beide ziemlich: Wir fühlten uns, als seien wir in China! Flache Dächer, Schiebetüren,… Ich kann es nicht so recht erklären.

Und dann, kaum waren wir dem Zentrum näher gekommen, rasten sie an uns vorbei: LAS MICROS. Hört sich ja schon gruselig an, oder? 😉 Laut Definition ist „Micro“ eine Abkürzung für „Microbus“ und das meint einen Lokalbus. Dieser Lokalbus fährt jeden Tag eine spezielle Route und nimmt auf dem Weg Menschen auf. Nein, es gibt keine Haltestellen. Nein, es gibt, gefühlsmäßig, auch keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Sie rasen, sie bremsen, schlucken die Leute für $390 (circa 55 Cent) und düsen weiter. Möchte man aussteigen, stellt man sich kurz vor seinem Ziel hinter den Fahrer (möglichst nicht zu nahe an die Türen, die sind nämlich (zumindest in Antofagasta) meist offen!) und spricht ihn an, um ihm mitzuteilen, wo man aussteigen möchte – was in Deutschland ja schon aufgrund der Bedingung, dass man den Fahrer nicht ansprechen soll, nicht ginge. An besagter Stelle sollte man sich dann jedenfalls noch einmal gut festhalten und dann springt man am besten alle Stufen auf einmal nehmend hinunter auf den Bürgersteig (oder Nicht-Bürgersteig), weil la Micro schon weiterfährt. Das erste Mal war das ein ziemlich „besonderes“ Erlebnis für mich, da die Sitze auch schon ziemlich durchgesessen und das Leder zerfleddert ist, sodass sie keinen wirklichen Komfort bieten. Und wenn der Fahrer dann auch noch ordentlich auf die Tube drückt… sollte man es selbst erlebt haben. 😉

Das nächste wäre die UmweltUNfreundlichkeit der Chilener. Flaschen werden nicht recycelt, es gibt nicht einmal Pfand. Mülltrennung? – Noch nie gehört. Füller? Nein, die Chilener benutzen lieber Einwegkugelschreiber. Und das höchste der Gefühle: Plastiktüten. Wir erledigen den Wocheneinkauf, der bei einer (nun) sechsköpfigen Familie, die gerne isst, natürlich nicht klein ausfällt. Also stellen wir uns an der Kasse an, lassen die Verkäuferin die Waren scannen und ich wundere mich schon seit mehreren Minuten, warum am Ende aller Kassen ein Mann mit einer orangenen Sicherheitsjacke steht. Kaum waren die ersten Waren gescannt, „stellte er sich dann vor“: Der In-Tüten-Einpacker. Alle Einkäufe wurden in 5- oder 10-Liter-Tüten eingepackt. Ein ganzer Einkaufswagen fordert also circa 20 Tütchen. Die bekommt er auch. Also wenn man sich in Deutschland aufregt, dass alle mit Plastiktüten rumrennen – Chile ist dem CO2-Problem auch keine Hilfe. 😉

Beim ersten Mal Duschen fühlte ich mich allerdings fast ganz wie zuhause – Head&Shoulders, Herbal Essences, Elvi… ve?! Elvive?! Was ist Elvive?! Da hat doch jemand tatsächlich Elvital verspanischt! 😀

Am Samstag waren wir (mein Gastvater, meine älteste Schwester , meine jüngste Schwester und ich) in Calama, wo mein Gastvater geboren wurde und wir seine Schwester mit ihrer Familie besuchten. Grund der 2:45h langen Fahrt war aber vielmehr der Friedhofsbesuch, weil die Eltern meines Gastvaters Ende August beide ihren Todestag haben und alle das Grab dekorieren wollen. Ja, das Grab. Ich meine, klar, ich weiß, manche lassen sich einäschern, manche ihre Asche in einer Urne beisetzen, manche lassen sie irgendwo verstreuen und manche halten von allem nichts und wollen in einem Sarg begraben werden. Achja, Chile kennt noch eine Möglichkeit: Man kann sich wie in einem großen Schrank „einmauern“ lassen. Als ich den Friedhof betrat, realisierte ich erst garnicht, dass die riesigen weißen Löcher in der Mauer um den Friedhof für die Särge der Verstorbenen vorgesehen sind. Erst als wir vor dem „Grab“ der Eltern meines Gastvaters standen, staunte ich. Ich hätte es euch gerne gezeigt, allerdings scheute ich mich, auf einem Friedhof Bilder zu machen. Wenn euch das näher interessiert, könnt ihr es euch ja hier mal anschauen: http://www.flickr.com/photos/burchard/6020134384/lightbox/

Erst gestern, als wir nach der Sonntagsmesse zum Familienjeep liefen, der zwischen gefühlten 382479238204 anderen Jeeps stand, fiel mir auf, dass Jeeps in Antofagasta wohl sehr beliebt sind. 😉 Da hier im Norden, die meisten Männer in Minen arbeiten, gehört ihnen ein roter Jeep, mit dem sie auf dem Minengelände gut umherfahren können. Außerdem erfordert auch die sonstige Landschaft Antofagastas ein relativ wendiges und robustes Auto. Meine Familie nennt daher 4 Autos ihr Eigentum! Den Familienjeep, den roten Minenjeep, den neuen VW Beetle meiner 20-jährigen Schwester und das kleine Auto meiner 26-jährigen Schwester.

Nach der Sonntagsmesse habe ich auch zum ersten Mal in meinem Leben einen Bananenbaum gesehen. Schade, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte – dieser Baum sah wahnsinnig schräg aus. 😛

Tut mir leid, wenn ich diesen Blog nicht so schön illustriert habe und mir auch nicht allzu viel Mühe mit der Wortwahl gemacht habe, aber ich bin uuuuuunglaublich müde, muss schon wieder zum Abendessen und morgen in die Schule… Bald gibt es Näheres, Muchachos! 😉

Adiós, amigos! Cuidate y besitos de Melissa 🙂


Ein Gedanke zu Chile & Deutschland! Finde die Unterschiede! ;)

  • Ich finde deine Informationen sehr interessant und würde auch sehr gerne sehen was in Chile so los ist. 😀
    Aber ich habe mich für 3 andere Länder entschieden. 😛
    Liebe Grüße, Melissa.

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