Letzte und erste Male

Nach acht Monaten warten sind sie da: die letzten Male. Ein letztes Eis im Lieblingcafé essen, ein letztes Mal den Blick von der Mainspitze auf Mainz genießen, ein letztes Mal meine Mitbewohnerin drücken.

Erste Male gibt es natürlich auch: zum ersten Mal mitten in der Nacht hellwach sein und sich fragen, wie die ersten Tage in Südafrika wohl genau aussehen, ob ich dort Kontakt zu Einheimischen haben und wie schlimm mich Heimweh und Kulturschock treffen werden.

Nachdem ich nun, eine knappe Woche vor Abflug, endlich alle Einkäufe erledigt habe, die noch auf meiner to do-Liste standen, habe ich so eben mein Auto verkauft. Ursprünglich war geplant, das gute Stück meines Onkels das Jahr über bei meiner KFZ-Werkstatt unterzustellen, aber am vergangenen Wochenende wurde ich von Freunden überredet, mein Auto zu verkaufen und mir von dem Geld lieber nach meiner Rückkehr ein anderes Auto zu kaufen. Jetzt ist es verkauft und in wenigen Tagen wird es abgeholt. Traurig bin ich schon, auch wenn es nur tote Materie ist, aber immerhin bin ich mit dem Wagen einige Jahre rumgekurvt und habe einige schöne Erinnerungen an den alten Opel Vectra.

Die letzten Tage in Deutschland werden mir mit Sommerwetter versüßt. Balsam für meine sonnenhungrige Seele. Jetzt freue ich mich noch mehr auf meine Abschiedsfeier am Samstag, die dann wohl im Garten stattfinden wird. Die Feier ist es auch, die mich die nächsten Tage noch ordentlich auf Trapp halten wird in Sachen Vor- und Nachbereitung. Und wenn das alles ausgestanden ist, bleibt nicht mehr viel Zeit und ich sitze endlich im Flugzeug.

Dass das weltwärts-Jahr in Südafrika nun praktisch vor der Tür steht, habe ich übrigens vergangenen Freitag so richtig realisiert. An diesem Tag hatte ich meinen letzten Arbeitstag, den ich natürlich gebührend mit einem Ausstand feierte. Kaum daheim, wurde ich von einer Mail mit dem Betreff „Welcome to Cape Town“ überrascht. Die Nachricht war von einer ehemaligen AFS-Freiwilligen, die mich vom Flughafen abholen wird und bei der ich die ersten zwei Tage sein werde. Am selben Tag kam auch die lang ersehnte Botschaft, dass mein Visum auf dem Weg zu mir ist und im Briefkasten warteten die Flugtickets. Als ich die in den Händen hielt, war Südafrika plötzlich ganz nah.

Wozu ich derzeit weder Zeit noch Nerven habe, sind meine für den Resturlaub geplanten Englischstunden. Und auch in den Afrikaans-Führer habe ich seit Wochen nicht mehr ernsthaft reingeguckt. Die wichtigsten Sätze prügel ich mir beim Flug ins Gedächtnis – ist zwar ein Nachtflug, aber ich kann wahrscheinlich sowieso nicht schlafen – und beim Englisch hoffe ich einfach darauf, meine Hemmungen zu überwinden und einfach vor mich hinzuplappern.

Was mir jetzt bleibt, in den letzten Tagen Deutschland ist eine Mischung aus Vorfreunde und Angst. Vorfreude auf das Unbekannte, das ich endlich mit eigenen Augen sehen und erleben möchte. Und Angst vor all diesen Abschieden, die mir nun bevorstehen…


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