In Shanghai kleiden sie Hunde…

Nach acht Monaten in China ist es mal höchste Zeit für eine Bilanz. Was sind die größten Unterschiede zwischen Deutschland und China, den Deutschen und den Chinesen?

Die Arbeitswut
Meine Gastschwester wohnt etwa zehn Minuten Fußweg von ihrer Universität entfernt. Für jeden deutschen Studenten würde das große Freude bedeuten, man würde die Mittagspausen öfter mal zu Hause verbringen und sich was leckeres kochen und genießen, morgens nicht zu früh rauszumüssen. Meine Gastschwester jedoch übernachtet andauernd in einem Studentenwohnheim, weil sie sonst nicht genug Zeit für ihre Hausaufgaben hat, wie sie sagt.
Wenn Chinesen Feiertage haben, müssen die in der Regel „vorgearbeitet“ werden. Wenn also an einem Montag ein Feiertag ist, dann muss man dafür normalerweise am Sonntag arbeiten gehen, um sich den freien Tag auch zu „verdienen“. Man kann sich die Streiks geradezu ausmalen, die es dafür unter den Deutschen geben würde. 😀

Die Familienbande
sind für Chinesen unheimlich wichtig. Familienbesuche sind regelmäßig an der Tagesordnung. Freunde hat scheinbar niemand, denn man hat auf der Arbeit bzw. in der Schule oder Uni genug mit anderen Menschen zu tun. Und die Chinesen sind ja wirklich von morgens bis abends und manchmal länger mit ihrem Tun beschäftigt. Freie Tage werden zu Hause verbracht, oder mit der Familie. Und das auch gern! Also ich war immer froh, wenn ich mich um langweilige Familienbesuche drumrum drücken konnte… 😉 Hobbies hat soweit ich das sehen konnte niemand, es ist einfach keine Zeit dazu! Chinesische Austauschschüler in Deutschland müssen es echt schwer haben, mit der vielen Freizeit zurechtzukommen, die sie dann auf einmal haben.

Die Preise
(Momentan entspricht 1 Euro etwa 9,5 Yuan, vor ein paar Monaten war es noch 1-8,7.)
Besonders im Bezug auf öffentliche Verkehrsmittel sind die Preise einfach wundervoll. Ich zahle für meinen Bus in die Stadt, der etwa eine Stunde braucht (außerhalb der Rushhour), 3 Yuan. Für die Metro je nach Zeit 1-5 Yuan. Der langsame Zug nach Suzhou kostete 15 Yuan, der Transrapid 41 Yuan. Nach Beijing kostet ein Nachtzug, der zehn Stunden braucht, 324 Yuan mit Bett. Ein Taxi in Shanghai startet bei 12 Yuan, in kleineren Städten bei zwischen 6 und 10, und der Preis steigt mit der Fahrtzeit und der Kilometeranzahl recht langsam an.
In Deutschland zahle ich für eine zwanzig Minuten lange Fahrt 3,80 Euro; der Zug von meinem Zuhause in Ostwestfalen Lippe nach Köln kostet zwischen 30 Euro mit dem Sparpreis. Danke, Deutsche Bahn. 😉

Der Verkehr
Ach ja, immer wieder eine beliebte Art und Weise, Kulturen zu vergleichen. Meine Gasteltern machen ihr Flutlicht nachts eigentlich nie aus, und das gilt für viele Autofahrer, was für einen als Fußgänger reichlich anstrengend sein kann. Ich kenne das ganze Bild ja vor allem aus der Perspektive eines Fußgängers oder eines Busgastes, aber da kriegt man doch schon sehr viel mit. Auf eine grüne Ampel zu warten bringt schon mal gar nichts, denn die Farbe hat eigentlich überhaupt keine Bedeutung für den Fußgänger. Rechtsabbieger dürfen immer fahren (einzige Ausnahme ist ein roter Rechtspfeil) und tun das auch. Fußgänger dabei vorzulassen ist noch niemandem in den Sinn gekommen. Wenn Linksabbieger grün kriegen, nehmen sie genauso viel Rücksicht auf die Fußgänger, wie die Rechtsabbieger. Also im Prinzip kann man es ganz einfach zusammenfassen: Als Fußgänger ist man immer der Buhmann. Ziemlich gefährlich ist außerdem die Rollerfraktion; die haben meistens ihren eigenen Streifen rechts neben der normalen Fahrbahn. Wenn sie also links abbiegen wollen, müssen sie quer über die ganzen Autospuren. Da hat es schon das ein oder andere mal gekracht, denn im Bremsen sind die Chinesen nicht die besten, im Hupen dafür umso besser! Und wenn es kracht, dann bleiben alle Beteiligten immer einfach mitten auf der Kreuzung stehen, steigen aus bzw. ab und diskutieren erst mal, was eigentlich los ist. Alle drum herum hupen einfach wild und versuchen um die Diskutierenden herumzukommen. Mit Geduld ist da mal gar nichts. Aber das ist generell so.

Umso stärker hat sich meine eigene Geduld ausgeprägt, denn ohne kommt man wirklich nicht weit. Ich habe mich in den ersten Monaten so oft so doll aufgeregt über das Gehupe, das Geschrei, das Gespucke und Gefluche, das Geschmatze und Gerülpse… bis mir einen schönen Tages aufgegangen ist, wie sinnlos es ist, und seitdem geht es mir hier richtig gut. 😀

Ach so, und wegen der Überschrift…

Meine Gastfamilie hat sich vor wenigen Wochen ein vier Wochen junges Hundebaby ins Haus geholt. Das wird mindestens viermal die Woche geduscht und geföhnt, darf vom Tisch essen (wird an die Tischkante gehalten um von da das Essen zu schnappen), bekommt Haufenweise Joghurt und Milch, pinkelt überall hin… Und generell werden in Shanghai Hunde im Miniformat gern gehalten, aber als Püppchen, nicht als Tiere; die meisten werden angezogen und frisiert, unser Hündchen hat die ersten Ausstattungen auch schon erhalten… Die spinnen, die Chinesen!
Übrigens hat dieser Hund soeben meine Strumpfhose aus meinem Schrank genommen und sie durch die Wohnung gezogen – und meine Gastfamilie hat sich nur totgelacht. Was für ein Glück dass ich nicht mehr mitbekommen werde, wie der Hund völlig verzogen die ganze Zeit kläfft! 😀


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