Mein Start in Ubaté

…war besser als man es sich wünschen kann!! Aber Eins nach dem Anderen…

Bei Consuelo oder: lejos de todo

Aussicht vom Grundstück bei Consuelo

Am Morgen des 29. Januar wachte ich relativ spät in einem herrlich sonnendurchfluteten Zimmer auf. In der Küche begrüßte mich Consuelo fröhlich und ich ging mit einem frischen Jugo de Guanabana nach draußen wo mich ein wunderschöner Garten erwartete. Aber der Garten war NICHTS gegen die unglaubliche Aussicht…Sonne, Berge und überall grün…aber schauts euch einfach an… 🙂 Consuelo hat früher in Bogota gewohnt. Als ihre Kinder aber erwachsen waren,  zogen sie und ihr Mann Sergio nach Sutatausa, ein Kaff ca. 10 min von Ubate, bzw. in den Wald dort. Zu Consuelo muss man nämlich erst durch Sutatausa und dann nochmal mindestens 10 Minuten auf wirklich unmöglichen Wegen durch den Wald, bis man mitten im Nirgendwo landet. Sie hat zu mir nur gesagt, sie wohne „lejos de todo“, also weit weg von allem. 🙂

...kein Kommentar.. 😀

Mittags sind ich und Consuelo in die Stadt um mir ein Handy zu besorgen und Ubate, meine neue Hood kennenzulernen. 🙂 Ich wurde erst einmal tausenden Leuten vorgestellt, u. a.  Kathi einer Deutschen, die zusammen mit Mark im Juni 2010 nach Ubate gekommen ist. Beide sind im Schülerprogramm von AFS, d.h. sie gehen hier zur Schule. Kathi ist aus Bayern und 16, Mark ist aus Wuppertal und 17 Jahre alt. Auch sie wohnen in Gastfamilien. Ich bin mit Consuelo später in einen Supermarkt für Früchte gegangen…herrlich: haufenweise Früchte und Gemüse…ich kannte nicht einmal die Hälfte davon 🙂 Wir haben alles gekauft was ich nicht kannte und danach kaufte sie mir noch ein Pan de Yuca. Das ist eine Art Wecken aus Yuca-Mehl. Yuca kennt ihr vielleicht, es ist eine Wurzel. In dem Wecken ist Käse und das Pan schmeckt himmlisch!! Allerdings, laut Consuelo, nur frisch und nur aus dieser einen Panaderia, also Bäckerei. Consuelo hat mir auch den Grund für die Kuh auf dem Sockel mit der Aufschrift: „Ubate   Milchhauptstadt von Kolumbien“ erklärt. Ubate und die umliegenden Dörfer haben sehr viele Milchbauern und der Käse von hier ist in ganz Kolumbien berühmt. Deshalb gibt es auch alle paar Meter einen Laden der Käse verkauft. Mit den Einkaufsläden ist das hier sowieso ganz anders als in Deutschland: es gibt hier schon Supermärkte, Ketten wie Colsubsidio oder Carulla, aber es gibt auch in jeder Straße mindestens 5 Tante-Emma-Läden, 3 Fruchtläden und 10 kleine Läden, die Schokolade, Kaugummis, kleine Kekse und anderen Süßkram aber auch Zigaretten und vor allem Minutos verkaufen. In den Shops gibt es mehrere angekettete Handys mit denen man für ein paar Pesos telefonieren kann..dazu muss man einfach Minutos kaufen. 🙂 Außer diesen Läden gibt es noch unglaublich viele kleine Internetcafes, Panaderias, Fleischereien und natürlich Imbisse und Cafes. Vor allem von den Torten in den Panaderias werde ich regelmäßig in Versuchung geführt. 🙂

Stella und die Berge ringsum Ubate

Später bekamen Consuelo und Sergio Besuch. Für mich war es recht amüsant…ich verstand zwar kein Wort aber Sergio in seinem selbst für Kolumbianer völlig unverständlichen Spanisch zuzuhören und ihn dabei wild gestikulieren zu sehen hatte einen recht hohen Unterhaltungswert. 🙂 Am Abend luden mich Daniela und Gustavo Martinez Salamanca zu einer Party ein. Sie kannten mich zwar nicht aber das kümmert hier in Kolumbien scheinbar niemanden. Eingeladen wird man trotzdem oder gerade deswegen! 🙂 Also brachte mich Consuelo in die Stadt, wo die beiden mit einigen Freunden schon warteten. Dann wurde erst einmal der Laden mit dem billigsten Bier ausgesucht. Ausreichend eingedeckt ging es dann mit einem illegalen Taxi, das eigentlich für 7 Personen gedacht war mit 10 Personen an Bord zur Finca von Daniela und Gustavo. Die Finca lag nochmal 10 Minuten weit weg von Ubate. Kathi war auch dabei.  Daniela kann super deutsch, weil sie ein Jahr in Köln einen Schüleraustausch gemacht hat und Gustavo kann super Englisch, weil er ein Jahr in Australien studieren war. Somit waren auch für mich Unterhaltungen möglich. 🙂 Der Abend wurde ausgesprochen spaßig, gegen Ende ging es dann noch in den hauseigenen Pool. 🙂 Ich ließ mich von den anderen breitschlagen dort zu übernachten und lernte so am nächsten Morgen die Eltern kennen. Sie waren supernett und obwohl ich kaum etwas verstand, weil beide nur Spanisch sprechen, versuchten sie sich mit mir zu unterhalten. Etwas überrascht war ich dann als Orlando und Luz Helena, so heißen die beiden, mich fragten ob ich für das Jahr bei ihnen bleiben wolle. Ich war mir nicht ganz sicher ob das ernst gemeint war und war deswegen etwas verwirrt. Den Sonntag verbrachte ich entspannt bei Consuelo, nachdem sie mich abgeholt hatte. Ich versuchte auch das erste Mal vergeblich mit  meinen Eltern zu skypen…es sollte nicht das letzte Mal bleiben. Ja,  das Internet hier ist nicht unbedingt das Beste.

Das Projekt oder: Ustedes son hermanas?? Das Colegio

Am Montag holte der Schul- und damit auch Projektleiter Fabio mich und Stella bei ihrem Haus in Ubate ab. Da Consuelos Haus so weit weg liegt, musste ich furchtbar früh aufstehen. Nicht gut! Wir fuhren mit Fabio, seinem Sohn Mitchell und der Tochter Daniela von einer Schule zur anderen. Zu I.E.D. Bruselas also meinem Projekt, gehören nämlich insgesamt sechs verschiedene Schulen. Da es der erste Schultag nach den großen Ferien war wurden alle Schüler jeder Schule versammelt und Fabio hielt eine Ansprache. Am Colegio sind die meisten Schüler.  Dort wurden während der Versammlung außerdem die Flaggen von Cundinamarca und Kolumbien ausgerollt und auch beide Hymnen gesungen. Die Kolumbianer haben mitunter einen leicht übertriebenen Nationalstolz! 🙂 Ich und Stella mussten uns kurz vorstellen, wobei ich natürlich nicht das Fettnäpfchen ausließ, einen grammatikalisch falschen spanischen Satz von mir zu geben, worauf mich dann ca. 80 Leute gleichzeitig aufmerksam machten. 🙂

Sweeetys..und anstrengend.. 🙂

Die ersten Wochen im Projekt waren sehr chaotisch und oft wusste niemand was wir genau wann machen sollten. Es dauerte eine kleine Ewigkeit bis wir endlich mal so etwas wie einen Stundenplan bekamen. Dieser galt allerdings nur übergangsweise und wir haben bis jetzt immer noch keinen fixen Stundenplan. Die sehen das hier einfach nicht so eng. 🙂 So jetzt zu dem was ich hier eigentlich mache. Ich unterrichte Englisch in sechs verschiedenen Schulen. Insgesamt unterrichte ich mehr als 600 Schüler, manche Klassen allein, manche mit Stella zusammen und manche mit den Englischlehrerinnen. Die Schüler sind zwischen 5 und 22 Jahren alt, d.h. ich unterrichte in der Primaria und in der Sekundaria. Primaria ist wie Kindergarten, hier Preescolar und Grundschule, d.h. 1. bis 5. Klasse, zusammen. Soweit mein Stundenplan bis jetzt:

Montag
  • Unterricht abwechselnd in einer der drei Schulen auf dem Land: Apartadero (ca. 1,5h von Ubate), Ojo de Agua (ca. 1h von Ubate) oder La Planta (ca. 45 min von Ubate).
  • Nur Kinder der Primaria, ich unterrichte zusammen mit Stella allein Englisch in einer Klasse mit bis zu 15 Kids aller Altersstufen. In diesen Schulen gibt  es nur einen Lehrer bzw. eine Lehrerin, die den ganzen Tag alle möglichen Fächer unterrichten.
Dienstag
  • Unterricht in Santa Teresa, einem Nonnenkloster, das gleichzeitig eine Schule ist.
  • Nur Kinder der Primaria, die Klassen sind wesentlich größer (bis zu 30 Kinder pro Klasse) dafür sind sie nach Altersstufen aufgeteilt: Preescolar, Primero, Segundo, Terzero, Quarto und Quinto. Ich unterrichte allein, Stella ist am Colegio und übernimmt dort die Primaria.
Mittwoch
  • Unterricht im Colegio, der größten Schule und die einzige mit Schülern der Sekundaria, d.h. ab der 6. Bis zur 11. Klasse. Das Colegio geht hier nur bis zur 11.,  danach kann man studieren.
Donnerstag
  • Unterricht im Colegio.
Freitag
  • Unterricht im Colegio.
Samstag
  • Alle zwei Wochen Unterricht für Erwachsene, am darauffolgenden Montag habe ich frei.
Stellas Regenschutz...stylisch!! 😀

Der Unterricht geht eigentlich um 7:20 Uhr los und endet zwischen 12:00 und 14:00 Uhr, je nach Schule. Die Arbeit gefällt mir wirklich ziemlich gut, ich mag die Kiddies einfach..zumindest wenn sie im Unterricht mitmachen. 🙂 Vor allem die Kleinen quetschen einen allerdings regelmäßig über alles Mögliche aus. Am Meisten interessiert sie wie es in Deutschland so ist und natürlich ob wir einen Freund, Ehemann (!) oder Kinder (!!) haben. Ja das fragen sie ernsthaft. Hier ist es leider keine Seltenheit mit 20 Jahren Kinder zu haben. Den Unterricht mit den Älteren haben wir fast immer zusammen mit einer der Englischlehrerinnen, d.h. eigentlich gestaltet sie den Unterricht und wir sind fast nur für die Aussprache zuständig. Also insgesamt gefällt mir mein Job gut, aber es kann auch recht langweilig sein, weil wir im Moment kaum wissen wann wir wie Unterricht haben und so oft herumsitzen und nichts tun. Wenn ich mich aber vorbereiten kann macht es richtig Spaß, außerdem sind die Lehrer echt nett und Fabio der Schulleiter und damit auch Projektleiter hat immer ein offenes Ohr für unsere Probleme. 🙂 Grade spielt sich aber alles ein und wir werden diese Woche wohl auch einen festen Stundenplan bekommen! Halleluja 🙂

Die Mädels der 11. beim "la mano arriba" Tanz..sehr berühmt unter den Ladies
Die Damen der Schule...oder einige davon
Die Deutschen..ja das sind die mit den irren Hüten XD komisch, dass die Schülerinnen trotzdem ein Foto wollten 🙂

Es gab auch schon so einige Feste in der Schule. Vor allem der 101-jährige Geburtstag von Bruselas war interessant. Erst natürlich ein Gottesdienst, dann Ansprachen und zum Schluss Vorführungen der Schüler. Es gab alles von den verschiedensten Tänzen über Gedichte auf Spanisch und Englisch bis hin zu selbstgebastelten Glückwunschkarten. Danach sind wir Lehrer noch zusammen Mittagessen und danach Tejo spielen gegangen. Ich weiß gar nicht wie ich das Spiel beschreiben soll 🙂  Es gibt zwei gegenüberliegende Lehmkisten mit einem Metallring in der Mitte und zwei mit Schwarzpulver gefüllten Pfeilen aus Papier. Man wirft kegelstumpfförmige Eisenteile aus ca. 5m Entfernung in die Matschkiste und versucht entweder den Ring oder die Pfeile zu treffen. Es ist recht spaßig, wenn man den Pfeil trifft. Der  explodiert dann nämlich. 🙂 Ist also ein zusätzlicher Ansporn. Ist ganz spaßig aber angeblich gehört zum Spiel ordentlich Bier zu trinken, oder wahlweise Aguardiente, der Nationalschnaps hier, schmeckt ähnlich wie Ouzo also nach Anis. Außer dem Geburtstag gab es noch den „dia de la mujer“ und den“ dia del hombre“.

Am Frauentag haben uns die Männer ein Frühstück bereitet und uns Rosen und ein Gedicht geschenkt. Am Abend waren ich und Stella zu einer Fiesta, d.h. Party eingeladen. Wir haben bis zum Umfallen Vallenato und Merengue getanzt. Die Jungs können hier eigentlich alle tanzen und wollen auch ständig mit uns Nichtskönnern tanzen. 🙂 Ist natürlich super zum Lernen, aber manchmal auch etwas seltsam wenn die ganzen Mädels ihre Hüften schwingen wie verrückt und man selbst Probleme hat den Rhythmus zu finden.

So, soweit erstmal zu meinem Projekt. 🙂


2 Gedanken zu Mein Start in Ubaté

  • Wow, was du schreibst klingt wahnsinnig toll und ich wuensche dir eine schoene Zeit in Kolumbien!

  • Die Catedral de Sal de Zipaquirá sollte man sich in Kolumbien unbedingt anschauen, eine Kathedrale n der Nähe der Stadt Zipaquirá.

    Viel Spaß

    Kalle

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