Ein frohes Hasen-Jahr!

Zwar hatte ich mir unter dem wichtigsten und bedeutendsten Fest der chinesischen Kultur noch etwas mehr vorgestellt, andererseits muss man den Chinesen eben einfach zugestehen, dass selbst Feiern in ihrer Kultur etwas ganz anderes bedeutet. Bis einen Tag vor „Silvester“ waren wir fünf Tage hintereinander bei Abendessen. Mit den Familien, mit der Firma meiner Gasteltern, mit Freunden der Familie. Aber das war ja erst die Vorgeschichte.

Am 2.2., einen Tag vorm Neujahrstag, waren wir endlich zu Hause zum Abendessen. Um sieben sind dann allerdings plötzlich meine Gasteltern zu den Nachbarn gegangen, um zu spielen. Mit meiner Gastschwester hab ich also bis Mitternacht schreckliche Shows im Fernsehen gesehen. Hat schon mal jemand was von der Peking Oper gehört? Und so was darf sich Kunst nennen. Grauenvolle Töne für die Ohren. Dazwischen Lichtershows und Zaubertricks, Sketche, die ich nicht verstanden habe und Jahresrückblicke. Silvester eben. Um Mitternacht haben meine Gastschwester und ich aus den Fenstern unzählige Feuerwerke gesehen, richtig schön. Dann ging es ins Bett, meine Gasteltern kamen erst später wieder nach Hause. Und das war’s dann auch schon. Fünf Tage lang war dann einfach nur Entspannen angesagt. Niemand hat irgendwas gemacht, vor Mittag ist kaum mal jemand aufgestanden und außer bei den Nachbarn spielen und Fernsehen stand nichts auf dem Tagesplan. Diesen Montag hab ich mich so nutzlos gefühlt, dass ich in die Stadt gefahren bin und eine kanadische Freundin getroffen habe, die ich durch die Arbeit bei R&S kennen gelernt hatte.

Die einzige freie Phase im Jahr verbringen die Chinesen also mit Nichtstun, und sie haben es sich ja auch verdient. Denn um zwei Wochen frei zu haben, mussten meine Gasteltern die ganzen Wochen vor CNY auch samstags und sonntags arbeiten. Ihr Leben besteht wirklich nur aus arbeiten oder nicht arbeiten, und essen. Für die Kinder gilt dasselbe, nur mit der Schule.

Als ich also gestern endlich mal wieder in der Stadt war, waren die üblichen Touristenanlaufpunkte von Menschen überrannt. Ich habe etwas außerhalb des Trubels eine wunderschöne Ecke gefunden mit kleinen Häuschen und vielen Restaurants und Cafés, eine richtig gemütliche Gegend, die so gar nicht an das „übliche Shanghai“ erinnerten. Doch die Busse werden wieder voller, die vielen Wanderarbeiter kommen nach und nach zurück nach Shanghai, die Stadt wird wieder merklich voller. Das hab ich vorher auch noch nie erlebt; die wenigsten Menschen in dieser Stadt kommen auch aus Shanghai. Denn zu CNY war es überhaupt kein Problem, in einen Bus zu steigen und die Straßen wirkten irgendwie wie leer gefegt. Doch jetzt geht das übliche Drama wieder los: ewiges Warten auf einen Bus, der noch Platz für zwei, drei Leute hat, und dann mit 30 weiteren wartenden, unerbittlichen Chinesen um diesen Platz kämpfen. Kein Pardon, keiner schenkt dem anderen was. Großstadt, Millionenstadt, Weltstadt. Eindeutig eine eigene Welt.


Ein Gedanke zu Ein frohes Hasen-Jahr!

  • Und was ist mit den Hasen? Gibt es da welche und werden sie wenn es sie gibt jetzt bevorzugt in den Bus gelassen?
    (-:

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