Abschied von Doris

Die Zeit verging wie im Flug und Weihnachten rückte immer näher. Der Wettergott tat auch sein Bestes und bescherte uns reichlich Schnee dazu. Weil Doris jetzt die Jüngste der Familie war, übernahm sie von ihrer älteren Gastschwester Annika traditionell die Rolle als Weihnachtsengel, der die Geschenke verteilen durfte. Es war ein tolles Fest, in das sich jedoch schon der bevorstehende Abschiedsschmerz mischte. Silvester wurde noch einmal mit den Freunden ausgiebig gefeiert und schon hatten wir Anfang Januar und der Tag der Abreise rückte immer näher. Was soll ich von diesen Tagen schreiben? Dass die Stunden langsam und unerbittlich verrannen und wir verstärkt versuchten, die letzte gemeinsame Zeit auszukosten? Plötzlich geht einem auf, was man noch so alles zusammen machen wollte und nicht mehr geschafft hat. In diesen letzten Tagen war ich irgendwie auch ziemlich böse auf die ganze Sache mit dem Austausch. Alle reden nur davon, wie schön es ist, ein Gastkind in seine Familie aufzunehmen. Keiner bereitet einen darauf vor, dass es sich wie eine Beerdigung anfühlt, wenn der Tag der Abreise kommt. Irgendwie beschleicht einen das Gefühl, dass man es besser gelassen hätte, wenn man vorher gewusst hätte, wie weh das tut.

Den anderen Gastfamilien im Komitee ging es ganz genau so. Beim letzten Komiteetreffen hatten viele Tränen in den Augen, vor allem als die Gastkinder persönlich das Wort ergriffen und sich bei allen für die schöne Zeit bedankten. Von den schlaflosen letzten Nächten, der Abschiedsparty in unserem Haus, den wirklich allerletzten Abend nur im Kreis unserer Familie und den herzzerreißenden Szenen am Bahnsteig mag ich gar nicht mehr berichten. Als wir ohne Doris wieder zuhause ankamen, erwartete uns ein letzter schriftlicher Gruß unserer Gasttochter, von Annika vorzulesen, bei dem alle lachen und weinen mussten.

Nun, vier Wochen und etliche Emails zwischen Costa Rica und Deutschland später, ist wieder ein wenig Ruhe eingekehrt. Wir können uns inzwischen aufrichtig darüber freuen, dass Doris wieder gut in ihrer Heimat angekommen ist. Sie wird jetzt anfangen zu studieren, hat viele neue Pläne. Und eines Tages, da bin ich sicher, kommt sie mal zurück zu uns, zu ihren deutschen Eltern, Geschwistern und Freunden.


4 Gedanken zu Abschied von Doris

  • Da kommen schon wieder die Tränen, wenn man deinen berührenden Bericht liest. Ich glaube auch an ein Wiedersehn! Danke Petra:)

  • Auch ich habe Tränen in den Augen…obwohl ich noch bis Juli die Zeit mit Fiona genießen darf…aber auch ich denke jetzt schon dass der Abschied wohl schwer werden wird…
    Grüßle Andrea

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