und alles ist wie immer…

Obwohl ich am Heiligen Abend bei einer Chinesisch-Amerikanischen Familie zu Gast war, die fünf Waisenkinder bei sich aufgenommen haben, die zu alt für das Waisenhaus sind, ist keinerlei Weihnachtsstimmung aufgekommen. Dies war mein zweites Weihnachten im Ausland, und obwohl diesmal wenigstens die Temperaturen stimmten, ist der Kelch trotzdem an mir vorüber gegangen.

Die Sonne strahlt bei Temperaturen zwischen 0 und 10°C, alle gehen wie immer jeden Tag arbeiten und zur Schule. Abgesehen vom Obstverkäufer am Eingang unserer Wohnsiedlung, der mir tatsächlich frohe Weihnachten gewünscht hat, war absolut nichts anders als sonst. In drei Tagen ist Silvester, aber auch da wird alles ganz normal weiterlaufen. Lass doch die Ausländer ihre Feste feiern… Aber was interessiert uns Chinesen das? Und da ich mit Chinesen zusammen lebe und arbeite, ist das genau die Haltung, die ich selbst eingenommen habe.

Der Abend bei der Familie mit den fünf Waisenkindern hat mir allerdings wieder ganz deutlich gezeigt, dass auch ein eigentlich so weit entwickeltes Land wie China doch noch sehr viel Hilfe braucht (denn ich hinterfrage oft, ob ich nicht erst mal in Deutschland was tun sollte oder in ganz bedürftigen Ländern in Afrika).
Fünf junge Mädchen zwischen 18 und 28, die im Waisenhaus aufgewachsen sind, weil ihre Eltern sich um sie nicht kümmern konnten oder wollten. Weil sie nicht gesund zur Welt gekommen sind, oder weil sie eben einfach Mädchen waren. Ich hörte an dem Abend von einem Waisenhaus mit 500 Mädchen und 6 Jungs.
Eins der Mädchen ist auf einem Auge blind, eines hatte bereits einen Schlaganfall und bekam mitten in einem Spiel, das wir an dem Abend spielten, einen epileptischen Anfall. Ich war überwältigt von der Einstellung der Familie, die sich mit allem, was sie hat, um diese Mädels kümmert, um ihnen eine sichere Zukunft zu ermöglichen. Denn ohne Bildung und einen gewissen Status liegen die Chancen auf eine Heirat quasi bei Null. Ich sah Fotos von bereits verheirateten Müttern und hörte Geschichten über erfolgreiche junge Frauen, die einen Job gefunden und unabhängig geworden waren. Doch ohne diese Unterstützung wären sie höchstwahrscheinlich arm und bettelnd in den Großstädten Chinas gelandet, wie so viele andere…

Auch mit unserem Engagement für das „Million Tree Project“ von Roots & Shoots geht es voran, für das wir im Namen von weltwärts Spenden für Bäume sammeln, die in der Inneren Mongolei gepflanzt werden und so der Wüstenbildung entgegenwirken und das Weltklima verbessern sollen. Wir kommen der 1000-Baum-Marke immer näher und freuen uns riesig über die große Resonanz in und außerhalb Chinas. Wir haben jetzt einen Blog auf die Beine gestellt (http://shanghaitrees.typepad.com/blog/) und planen für Februar eine Film-Vorstellung von „Jane’s Journey“, ein Dokumentarfilm über Jane Goodall (die Gründerin von R&S) von einem deutschen Regisseur.

Kaum zu glauben, dass nun schon fast Halbzeit ist. Die Zeit vergeht viel zu schnell!


3 Gedanken zu und alles ist wie immer...

  • Hey! Ich wusste garnicht, dass du hier einen Blog hast. Schoen von dir zu lesen. das hoert sich ja ganz gut bei dir an! Gehts dir gut?
    MFG Maren

  • Toller Post. Sicher nicht verkehrt, sich mit der Thematik im detail auseinander zusetzen. Ich werde bestimmt die weiteren Beitraege im Auge behalten.

  • hallo süße,
    musst du immer noch frieren? ich wünsch dir für das neue jahr ein paar grad mehr, viele neue bekanntschaften und das alle deine wünsche in erfüllung gehen,
    wann war nochmal euer jahreswechsel? nicht dass ich den vergesse,
    lieben gruß von allen zu haus

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