Adieu Kulturschock – Hallo China!

Pünktlich nach zwei Monaten in Shanghai ist die Zeit des Kulturschocks offenbar endlich überwunden. Mich regt das Leben und der Alltag nicht mehr auf, sondern bringt mich zum Lachen oder zumindest zum Schmunzeln. Es tun sich auf einmal so viele Möglichkeiten auf, etwas Sinnvolles und Aufregendes zu tun, dass der Tag gar nicht lang genug sein kann und immer wieder begegne ich inspirierenden und spannenden Menschen. Ich bin endlich angekommen.

Das Leben in meiner Gastfamilie ist einfach super. Trotz der Verständigungsschwierigkeiten nutzen wir jede Gelegenheit, miteinander zu reden und zu kommunizieren. Beim Abendessen erzähle ich meinem Gastvater jeden Tag was „essen“ auf Deutsch heißt (weil er es jeden Tag wieder vergessen hat), wir reden über das, was tagsüber passiert ist und lachen gemeinsam über die Missgeschicke, die mir passieren. Besonders meine Gastmama nimmt großen Anteil an meinen Schwierigkeiten in der Migrantenschule, fragt immer wieder wie es mit dem Projektwechsel aussieht und ermutigt mich, dranzubleiben. Mit meiner Gastschwester mache ich Unternehmungen, wir teilen alles miteinander und lieben es, einander mit Kleinigkeiten zu erfreuen. Auch meine Gastmama freut sich riesig über die Kleinigkeiten, und so fällt es mir überhaupt nicht schwer, ihnen das Gefühl zu geben, dass ich mich unglaublich wohl bei ihnen fühle und sehr dankbar bin für ihre riesengroße Gastfreundschaft. Wenn ich morgens später los muss als alle anderen und den Abwasch mache, wenn ich eine neue Packung Tee mitbringe, wenn ich den Tisch abräume oder Gemüse schneiden helfe, dann freut sich meine Gastmutter jedes mal riesig. Ihre Gastfreundschaft erlaubt mir nicht viel Mithilfe im Haushalt, aber sie freuen sich über die einfachsten Dinge. Das macht es beiden Seiten leicht, miteinander auszukommen.

Bezüglich des Projektwechsels geht es gut voran. Catharine aus dem Roots & Shoots Office hat vergangene Woche ein „Volunteer Center“ besucht und heute waren wir gemeinsam mit acht weiteren Leuten auf einer Biofarm. Das war ein unglaubliches Erlebnis – zum ersten mal seit zwei Monaten Ruhe, Natur, Stille. Tiere, Pflanzen, Felder. Es war wunderschön. Ich habe einen Haufen Biogemüse mit nach Hause gebracht – wieder die perfekte Gelegenheit, meine Gastmutter zum Strahlen zu bringen.
Die Arbeiten sind zwei völlig unterschiedliche und ich habe keine Ahnung, wie ich mich entscheiden soll. Für die Biofarm müsste ich meine großartige Gastfamilie aufgeben, denn sie befindet sich auf der drittgrößten Insel Chinas im Osten von Shanghai. Dafür hätte ich „echte“ Chinesen um mich herum, keinerlei Verwestlichung, zudem Ruhe und Frieden, was mir mehr gefehlt hat, als ich erwartet hatte. Andererseits stelle ich mir die Arbeit in der Organisation deutlich abwechslungsreicher vor: Sie bereiten Migrantenkinder auf international anerkannte Englischleveltests (wie TOEFL) vor, wollen ein Stipendienprogramm mit Amerika aufbauen, organisieren Events wie Konzerte und andere Benefizveranstaltungen für die Wochenenden. Nächste Woche darf ich mir das mal anschauen, einen Blick in die Situation der Englischstunden werfen und mir ein konkretes Bild von der Arbeit dort machen. Letztendlich hängt aber sowieso alles davon ab, ob (und wenn ja wann) das BMZ die Projekte anerkennt.

Da ich bereits einige Erfahrung mit AFS (insbesondere mit dem Thema Hosting) habe und sehr interessiert daran bin, dass sich an den aktuellen Standards von „weltwärts“ einiges ändert, hat Catharine mich jetzt um meine Mithilfe gebeten. China hat einige Probleme was das Finden von Gastfamilien, aber auch willigen Austauschschülern betrifft, und das hängt vor allem mit der Natur der Chinesen zusammen. Examen und Abschlüsse sind wichtiger als Erfahrungen, und Zeit und Geld für einen Fremden kann oder will man nicht aufbringen. Ebenso ist es schwer, mögliche Projekte zu finden, weil das Wort „Ehrenamtlicher“ hier eher unbekannt ist. Warum sollte ein junger Ausländer, der doch gerade in seine Karrierelaufbahn vertieft sein müsste, nach China kommen um dort für lau zu helfen? Daran muss was faul sein.
Die Einstellung der Menschen macht es daher unheimlich schwer, das Programm hier in China aufrechtzuerhalten und auszubauen, sowohl was Projekte als auch Gastfamilien angeht. Zudem ist es ohne Sprachkenntnisse zum Teil fast unmöglich, überhaupt etwas zu machen, was ich in meinem Projekt ja am eigenen Leibe erfahre. Man ist nutzlos, wenn man nicht mit den Menschen kommunizieren kann.
Ich freue mich total darauf, Deutschlands Erfahrungen an Shanghai weiterzugeben und so vielleicht etwas verändern zu können.

Optimismus, Durchhaltevermögen, Kontakt zu den zuständigen Leuten hier im Büro, tröstende Gespräche mit meiner Familie und Musik haben mir über die Phase des Kulturschocks gut hinweggeholfen. Jetzt kann es richtig losgehen! =)


Ein Gedanke zu Adieu Kulturschock - Hallo China!

  • Hi Süße, juchu ich kann wieder ruhig schlafen, war echt ein wenig besorgt in den letzten Wochen,aber jetzt scheint der Knoten ja geplatzt, na dann gib mal ein wenig Gas und vor allem genieß die Zeit, fühl dich umarmt, Mom

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