Veränderungen

Es wird jetzt kalt. Und wenn jetzt jemand sagt: „Haha, 10°C sind doch überhaupt nichts!“, dann muss ich leider insofern widersprechen, dass die Wohnungen hier nicht isoliert sind und es drinnen genauso kalt ist wie draußen. Der Wind pfeift durch die Wohnung, die Fenster sind eiskalt, und selbst mit T-Shirt und dickem Pullover friert man unter den zwei Bettdecken. Dezember und Januar sind am kältesten, hat meine Gastmutter zu mir gesagt. Und ich habe jetzt schon immer Eisfüße! Das wird ja ein Spaß. ^^

Alles, was es an dieser Stadt auszusetzen gibt, machen kleine Augenblicke wieder gut. Vergangenen Samstag, als es in Strömen geregnet hat und ich in meinem Pullover an der Bushaltestelle stand, haben mich zwei junge Leute nacheinander unter ihren Regenschirm gelassen. Ein paar Stunden zuvor hatte ich zusammen mit einigen engagierten Ausländern für das Million Tree Project unserer Organisation Roots & Shoots 955 Yuan Spenden zusammen bekommen (das sind 38 Bäume für die Innere Mongolai!); viel davon kam von Ausländern, aber auch hier waren es vor allem Kinder und Jugendliche, die ihre Eltern von der Wichtigkeit eines solchen Projektes überzeugen konnten. Es sind die jungen Menschen, die Chinas Zukunft bestimmen, und das ist mehr als ein Hoffnungsschimmer.

Für das Million Tree Project haben wir acht deutsche Freiwillige jetzt eine „Schulgruppe“ gebildet. Das Ziel für Schulgruppen ist ein Wald von 1000 Bäumen.
Das allgemeine Ziel dieses Projektes sind eine Million Bäume bis 2014. Seit 2007 sind bereits über 400 000 Bäume gepflanzt worden (die abgestorbenen nicht mitgezählt). Die Bäume sind vor Jahrzehnten gefällt worden, um Geld daraus zu machen, mit dem Vorhaben, die freie Fläche zum Anbau zu nutzen. Leider hat der Boden nicht mitgemacht und das Vieh hat das gesäte Gras innerhalb eines Jahres gefressen. Seitdem ist dort eine Wüstenlandschaft. Die Aktion bringt nicht nur Leben zurück in die Gegend, sondern bringt den Anwohnern auch Jobs, da die Bäume gepflanzt und gepflegt werden müssen.
Wenn wir es schaffen, das Geld bis März zusammen zu bekommen, dürfen wir im April selber mit in die Innere Mongolei fahren, Bäume pflanzen, gepflanzte Bäume begutachten und regionale Schulen besuchen und mit den Kindern über Umweltprobleme sprechen. Deshalb nutzen wir jetzt jede Gelegenheit, an Schul- oder Universitätsveranstaltungen unseren eigenen Stand zu machen und Bäume zu verkaufen. Eine Jutetasche mit dem chinesischen Aufdruck „Kampf den bösen Plastiktüten“ (in Anlehnung an die Parolen aus der Kulturrevolution, als sie allerdings den Kapitalisten galten) für 50 Yuan bedeutet zum Beispiel zwei Bäume für die Innere Mongolei (1 Baum = 25 Yuan, etwa 3 Euro).

Neben solchen Projekten sind noch unsere eigenen Projekte, in meinem Fall die Migrantenschule. Der frustrierende Teil der Arbeit überwiegt für mich leider nach wie vor: fünfzig kleine Kinder rennen kreischend durch die Klasse, wischen Angeschriebenes wieder weg, klopfen mit Büchern auf die Tische, spielen Karten oder Fangen. Catharine, die AFS-Zuständige im Büro, hat mit mir darüber gesprochen und mir zugestanden, dass die Situation in Migrantenschulen selbst für Chinesen eine Überforderung ist. Wir schauen jetzt gemeinsam nach Alternativen, wobei sehr unklar ist, ob das BMZ seine Zustimmung geben wird, und wenn ja, wie lange das dauert. Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf, mit ihr zusammen neue Möglichkeiten anzugucken, wovon künftige Freiwillige ja auch nur profitieren können. Ich habe schon gehört: An meine Migrantenschule kommen keine Freiwilligen mehr. Das ist mehr Fortschritt, als ich mir für die kurze Zeit erhofft hatte. 🙂


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