Wie ich spazieren ging und dann die Familie wechselte.

Seit nicht ein mal zwei Wochen bin ich nun in Shanghai, und in 2-3 Tagen werde ich meine Gastfamilie wechseln. Die ganze Geschichte dazu ist ein einziges Abenteuer. Vergangenen Sonntag bin ich mit meiner Gastmutter spazieren gegangen, um die Umgebung anzuschauen. Da sind wir einer Bekannten meiner Gastmutter begegnet und in ihrem Gespräch habe ich herausgehört, dass sie eine Tochter in meinem Alter hat. Auf die Frage, ob ich die mal kennenlernen möchte, habe ich gleich ja gesagt. Ich dachte, es wäre sicher schön, schnell Freunde in der Nachbarschaft zu finden. Einen Abend später erzählte mir meine Gastmutter beim Abendessen, dass dieses Mädchen mich unbedingt in ihrer Familie haben will. Einige Tage und Telefonate mit dem Office später war dann klar, dass ich die Familie wechseln werde, vor allem weil es meiner jetzigen Gastmutter ganz lieb ist. Sie fühlt sich verpflichtet, mir jeden Abend Essen zu kochen, das ist Teil ihrer Kultur und lässt sich nicht weg reden, das haben wir schon mit Hilfe von AFS versucht. Das Ganze ist ihr offensichtlich sehr unangenehm; wir sprechen natürlich nicht darüber und sie geht mir aus dem Weg, ganz asiatisch eben. Da ich nichts ändern kann und weiß, dass es nicht mein Fehler ist, versuche ich, trotzdem ganz normal mit ihr umzugehen. Spätestens zum Mid-Autmn-Festival am Mittwoch soll ich ausziehen, so AFS.

Heute Mittag hat mich Micah, einer der Zuständigen aus dem Büro, mit mir getroffen, um mein Projekt zu besichtigen, und gleich danach sind wir zu der neuen Familie zum „Interview“ gegangen. So war ich wahrscheinlich die erste, die beim Familieninterview ihrer eigenen Gastfamilie direkt dabei saß. Zum Glück konnte ich so gleich abwenden, dass diesmal wieder die Tochter ihr Zimmer für mich räumt – ich fand das hier schon äußerst unangenehm. Chinesische Gastfreundschaft hin- oder her, ich möchte Teil der Familie sein, nicht Dauergast und Zimmerbesetzer.

Mein Projekt ist nur etwa 45 min Busfahrt entfernt. Die Migrantenschule hat etwa 500 Schüler mit jeweils durchschnittlich fünfzig Kindern pro Klasse. Eine andere deutsche Freiwillige, die bereits seit März in China ist, arbeitet auch dort und konnte mir viel erzählen. Wir werden erst mal gemeinsam unterrichten, weil sich herausgestellt hat, dass das für die Freiwilligen sehr hart war. Eine so große Klasse sehr junger Schüler, die genau wissen, dass wir keine Autoritätspersonen für sie sind, kann sehr anstrengend sein, das kann sich jeder denken. Insofern bin ich ganz froh, dass wir zu Zweit sind, so ist es wahrscheinlich gleich viel einfacher, etwas Ruhe in die Klasse zu bekommen. Mit ihrer Erfahrung wird mir der Anfang bestimmt leichter fallen.
Da mein Sprachkurs noch bis Dienstag geht und am Mittwoch dieses Festival mit drei freien Tagen ist, fange ich voraussichtlich am Samstag mit der Arbeit an. In China werden freie Tage in der Woche nämlich damit ausgeglichen, dass man die Arbeit / Schule / Uni am Wochenende nachholt. Sie sind schon verrückt, die Chinesen. 😉

Es kommt also noch einiges auf mich zu in den kommenden zwei Wochen: Umzug, Projektbeginn und am 27. muss ich zum Konsulat, um mein Visum zu verlängern. Viele entscheidende Faktoren, die mir ein bisschen Kopfschmerzen machen. Ich hoffe, dass alles gut klappt. Viele Grüße aus Shanghai!


4 Gedanken zu Wie ich spazieren ging und dann die Familie wechselte.

  • Heeey Lisa, das ist ja mal meeega interessant! 🙂
    Boah ich glaub die Gastfreundschaft der Chinesen würde mich schon fast stressen, wenn man wirklich ständig erklären muss, dass es schon okay ist und dass sie einem auch nicht jeden Abend Essen kochen müsste…
    Finde faszinierend, dass du dich „trotzdem“ für China entschieden hast, weil es einfach so.. GANZ anders ist. 😉
    Aber glaube, dass du auf jeden Fall jemand bist, der genug Geduld und Verständnis mitbringt, um sich solchen neuen Herausforderungen zu stellen und auch einige Monate in dieser komplett anderen Welt zu leben.

    Ich wünsche dir australische Entspannung während deines Umzugs und all der Dinge, die nun ziemlich zeitgleich passieren.
    Vielen Spaß bei deinem Projekt, ich freue mich schon auf Berichte!

    Cheers from down under, xxx

  • hallöchen,
    Na ich glaub, du gehst besser nicht mehr spazieren und sprich am besten keine fremden Leute mehr an, sonst musst du noch alle 14 Tage umziehen, das könnte anstrengend werden. Jetzt wohnst du schon in deiner neuen Familie und ich wünsch dir von ganzem Herzen, dass du da jetzt auch wirklich ankommst.
    Was die großen Schulklassen betrifft, du hattest doch Ohropax eingepackt? Könnte sich als hilfreich erweisen. Ich drück dir für deinen ersten Arbeitstag ganz fest die Daumen.
    Ganz lieben Gruß von allen zu Hause,
    Mom

  • Hallo Lisa,
    ich lese schon, seit du den Blog begonnen hast, sehr interessiert deinen Blog. Genauso wie ich versuche mit Christoph in Kontakt zu bleiben, was aber auch nicht immer ganz einfach ist. 😉

    Ihr seid beide – und du auch besonders – in so ganz anderen Kulturen gelandet und ich finde es faszinierend, wie ihr das beide so gut hinbekommt. Dass du jetzt schon umziehst, eine Migrantenklasse mit unterrichten wirst.. wirklich einfach nur klasse und da ziehe ich so sehr den Hut vor dir. Für deinen Mut und deine Art fremden Kulturen gegenüber habe ich dich – ganz ohne Spaß – immer sehr bewundert.

    Ich wünsche dir, dass du dich bald einlebst und dass du so viele neue Eindrücke sammeln kannst, wie du nur möchtest. =)
    Viele Grüße aus Deutschland,
    Janina

  • Hallo Cousinchen,
    klingt ja wirklich alles sehr spannend bei dir.
    Ich wünsch dir alles alles gute für deine ersten Schultage und bin gespannt wies weiter geht bei dir.

    Liebe Grüße von der Nordsee
    Nadja

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