Erste Eindrücke

Seit Montag bin ich jetzt in der Millionenstadt an der Ostküste Chinas. Obwohl der Einsatz im Projekt erst Mitte nächster Woche beginnt, ist bereits einiges passiert. Am Dienstag wurde ich von meiner Gastmutter abgeholt und lebe nun bei Familie Luo am Rande Shanghais, in einer riesigen Wohnsiedlung in Pudong. Es ist heiß, groß und vor allem sehr, sehr laut.
Am Sonntag ging die lange Reise los, und am Montag um 15:00 Ortszeit (die Zeitverschiebung beträgt momentan sechs Stunden) landeten wir am Internationalen Flughafen Pudong. Ein paar Freiwillige aus unserer Organisation Roots and Shoots (R&S) haben uns abgeholt und ich lernte auch gleich meinen „First Friend“ Ruby kennen. „First Friends“ sind quasi Ansprechpartner und Betreuer, aber im gleichen Alter wie wir. Sie sollen uns beim Einleben helfen und Rat geben.

Shanghai

Der erste Eindruck von Shanghai war überwältigend. Überall tausende bunte Lichter, unschätzbar hohe Häuser und unzählige Menschenmassen. Die Hitze und der Smog haben mich förmlich erschlagen; da tat es ganz gut, erst einen Tag auszuschlafen und am Dienstagabend von der Familie abgeholt zu werden. R&S bietet uns einen Sprachkurs, den wir 10 Tage lang für je drei Stunden (9-12 Uhr) in der Shanghai Universität besuchen. Nachmittags machen wir dann Ausflüge, um Chinesisch direkt anzuwenden. Nach den 10 Tagen haben wir nur noch einmal wöchentlich Unterricht, bis Dezember. Die Freiwilligen bei R&S sind total engagiert, die Organisation klappt richtig gut. Wir alle haben feste Kontaktpersonen für Notfälle und unseren „First Friend“, der Weg vom neuen zu Hause zur Uni wurde uns genauestens erklärt.

Verkehr
Das war auch ziemlich wichtig, weil ich über 1,5 Stunden brauche und das natürlich zur Rush Hour. Man steht Mensch an Mensch im Bus und hofft, nicht aus der Tür zu fallen, wenn sie aufgeht. Von Metro-Station zu Metro-Station läuft man eine gefühlte Ewigkeit, weil die Menschenmenge sich nur langsam bewegt und die Wege unheimlich weit sind. Der Wechsel zwischen Hitze draußen und Kälte in den klimatisierten Fahrzeugen und Gebäuden hat mir bereits ordentlich Halsschmerzen gebracht. Aber das Gute ist: Im vollgestopften Bus sieht man nicht, was auf der Straße passiert! Im Auto ist das viel gruseliger. Zig Fahrräder und Mopeds düsen kreuz und quer über die Straßen und die Autos scheinen da eine untergeordnete Rolle einzunehmen. Lieber Augen zu machen.

Das Essen
Eine der ganz großen Sachen: das chinesische Essen. Vor allem fettig muss es sein, und reichlich! Hühnerfüße und -köpfe nicht vergessen, Schale an den Mund, alles rein schaufeln und ordentlich schmatzen, schlürfen und rülpsen. Der Tee dazu ist meiner Meinung nach das allerbeste! Und natürlich der Reis. Die Chinesen machen diesbezüglich wirklich alles mit Stäbchen, selbst das Kochen! Aber mit ein bisschen Übung geht alles. Und es schmeckt wirklich lecker. Mittag gibt es für gewöhnlich zwischen elf und zwölf Uhr, Abendessen gegen sechs. Frühstück fällt meistens mit dem  Mittag zusammen, oder man isst morgens gegen sechs eine Kleinigkeit, bevor man aus dem Haus geht. Meine Gastmama hat mir extra süßes Brot und Milch gekauft. Sie isst jedoch bei der Arbeit.

Meine Familie
Unter der Woche lebe ich allein mit meiner Gastmama zusammen, die ich „Mama“ (Maama) nenne. Nur am Wochenende kommen der Gastvater und meine Gastschwester nach Hause. Der Baba arbeitet als Ingenieur und ist viel unterwegs, „Bang“ (meine Schwester) wohnt im Studentenwohnheim bei der Uni, wo sie im ersten Semester IMB studiert. Alle sind total gastfreundlich und geduldig. Nur Bang spricht Englisch, aber dennoch bemühen sich meine Gasteltern liebevoll um Konversationen. Das ermutigt mich in meinem Vorhaben, möglichst schnell Mandarin zu lernen. Mein Gastvater spricht leider einen sehr starken Shanghai-Akzent, sodass ich bei ihm nicht mal die Wörter verstehe, die ich kenne. Aber ich hoffe, ich gewöhne mich mit der Zeit daran, man muss sich nur ordentlich konzentrieren! Meine Mama ist Chinesischlehrerin in einer Grundschule und hilft mir jeden Abend bei meinen Vokabeln. Gestern haben wir gemeinsam einen Film geschaut und jetzt sitzen wir gemeinsam vorm Fernseher, jeder mit seinem Laptop (außer meiner Gastmutter) und sie fotografiert uns ^^

Die Wohnung ist groß und hübsch eingerichtet, ich habe sogar mein eigenes großen Zimmer mit einem gemütlichen Bett und großen Fenstern – und Klimaanlage. Aber die haben wir, außer in Bad und Küche, überall.
Heute sind wir gemeinsam einkaufen gefahren und ich habe mir ein paar Klamotten gekauft, weil 20 kg wirklich zu wenig waren für Wintersachen, Gastgeschenke, Schuhe, Waschtasche… Apropos Gastgeschenke. Meine großartige Oma, die immer strickt wie eine Weltmeisterin, hat mir einen ganzen Sack mit selbst gestrickten Socken und Schals mitgegeben, da hab ich für jeden ein Päckchen fertig gemacht. Dazu habe ich mit einem Fotoprogramm ein Fotoheft erstellt mit chinesischen Erklärungen, was zu sehen ist. Sie haben sich sehr gefreut! Der Winter soll ja wirklich kalt sein, und Omas Socken sind doch die besten. War offenbar keine schlechte Idee. =)

Die Gastfreundlichkeit meiner Familie erlaubt es mir bisher leider nicht, in irgendeiner Form zu helfen. Nur um meine Wäsche darf ich mich selbst kümmern. Jeden Abend wird direkt gewaschen, was man getragen hat, mit der Hand natürlich, denn wer wäscht ein dünnes Oberteil und Unterwäsche schon extra mit der Maschine?! Ich finde das gar nicht schlecht, so liegt nie Dreckwäsche irgendwo herum. Ich hoffe sehr, dass ich mit der Zeit auch bei normalen Dingen helfen darf: Tisch abräumen, Haus sauber machen, in der Küche helfen. Schließlich soll ich ja ein Teil der Familie sein, kein Dauergast.

Meine Schwester wohnt jetzt im Arbeitszimmer der Mutter, da ich ihr Zimmer bekommen habe. Das hat mir heute ein ganz schön schlechtes Gewissen gemacht:  sie haben ihr extra ein neues Bett gekauft! Ich habe zwar angeboten, am Wochenende gern auf einer Matratze zu schlafen, aber das kam ja gar nicht in Frage. Immerhin hat sie ihren Kleiderschrank noch immer in Beschlag; da hab ich nur ein Fach frei und dazu zwei Nachtschränke. Auch einen Tisch mit Stuhl habe ich extra hingestellt bekommen, fürs Lernen ^^ Aber mir gefällt es super gut, mit allen zusammen im Wohnzimmer zu sitzen, mit allen möglichen eingeschalteten Elektrogeräten 😉 Da fühle ich mich mittendrin.

Ich bin gespannt, was denn eigentlich genau im Projekt auf mich zukommen wird und wie ich dort hin komme. An Hobbys kann ich hier leider nichts machen, es gibt hier nur Wohnhäuser. Aber 30 min Busfahrt entfernt soll es ein Schwimmbad geben, das werde ich mal austesten. Momentan bin ich sowieso von früh morgens bis spät abends unterwegs mit R&S und damit komplett ausgelastet. Es bleibt spannend!


2 Gedanken zu Erste Eindrücke

  • Hallöchen, na das weckt ja Erinnerungen, Blogs, Kommentare, gespanntes Warten was du wohl schreibst, ja du bist dann mal weg, mal wieder Asien, Reis muss schon was tolles sein, dabei haben wir doch einen Reiskocher zu Haus.
    Super, dass du ein eigenes Zimmer hast und der Start für dich gut läuft. So wie ich dich kenne ,kannst du in 4 Wochen Chinesisch (-:
    ich werd gespannt lesen, freu mich auf jede Nachricht und wüsch dir eine tolle Zeit.
    Liebe Grüße an deine Gastfamilie, hab dich lieb,
    Mom

  • Hallo Lisa.

    Das hört sich wieder total spannend an! Bin sehr froh, dass ich grad vorbeigeschaut habe. Ich lese so gern, was du erzählst. 🙂 Wirklich toll. Das ist immer wieder ein kleiner Kurzurlaub. 😉
    Wünsche einen schönen Tag/oder Nacht oder so xD in China. 🙂

    Liebe Grüße, Larissa

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