Große und kleine Pläne

Mir scheint es fast, als hätte der Winter in Deutschland noch nie so lange gedauert! Jeden Morgen verlässt unser Gastkind Doris aus Costa Rica immer noch im dicken Wintermantel das Haus. Das hatten wir uns alle für den Mai aber wirklich anders vorgestellt! Eine deutliche Besserung zeigt sich jedoch bei der Verlängerung des Tageslichtes. Während in Costa Rica fast zu jeder Jahreszeit gegen 18 Uhr die Sonne sehr schnell untergeht, so machen wir inzwischen erst gegen halb 10 Uhr abends das Licht an. Das ist für Doris tatsächlich etwas Besonderes!

Inzwischen hat Doris auch ihre Vorliebe für öffentliche Verkehrsmittel entdeckt und kennt die Verbindungen zwischen uns und den nächsten Orten ganz genau. Mein Gejammere über Ausfälle und Verspätungen bei der Deutschen Bahn kann sie gar nicht nachvollziehen. In der Tat: Vielleicht sollten wir wirklich froh sein, dass wir so was Tolles überhaupt in Deutschland haben! Irgendwann möchte sie auch mal in einen ICE steigen und sich mit Hochgeschwindigkeit durch die Gegend kutschieren lassen. Mal sehen, was sich machen lässt!

Die sich immer weiter verbessernden Deutschkenntnisse unserer Gasttochter tragen sehr zu ihrer Selbständigkeit bei. Zum einen bekommt sie im Alltag natürlich immer schneller mit, wo der „Hase lang läuft“, und muss nicht zweimal nachfragen oder sich alles noch mal übersetzen lassen. Zum anderen kann sie sich mit allen Nachbarn, in der Schule oder bei Veranstaltungen mit fremden Leuten mühelos verständigen, ohne dass immer ein Familienmitglied oder Dolmetscher dabei sitzt. Gestern haben wir zusammen einen Film geguckt, den die Kino-begeisterte Mittelamerikanerin wirklich noch nicht kannte: Message in a bottle mit Kevin Kostner. Da die Dialoge relativ einfach und langsam gesprochen wurden und der Film auch durch schöne Landschaftsaufnahmen glänzte, war die Handlung für Doris ganz leicht zu verfolgen. Sie hat nur einmal ganz erschrocken nachgefragt: Dass der Hauptdarsteller am Ende wirklich im Meer ertrinkt, war in der Tat kein sprachliches Missverständnis sondern leider das traurige Ende der Geschichte.

Heute Nachmittag muss Doris ein paar Unterlagen für ihr Midstay-Camp an AFS schicken. Diesmal soll es ein „echter Briefumschlag“ sein mit einer „echten Briefmarke“. In Costa Rica gibt es kein durchorganisiertes Postsystem wie hier bei uns. Man wohnt da „neben dem Krankenhaus 400m nördlich und dann vier Häuser westlich“. Postalische Adressen mit Straßenbezeichnungen und Hausnummern sind dort unbekannt. Ein Wunder, wenn überhaupt etwas ankommt! Aber es scheint ja zu funktionieren. Obwohl ich natürlich Briefmarken im Haus habe, werde ich sie mal zu unserer Poststelle im Ort schicken.

In den nächsten Wochen können wir hoffentlich die lange Liste der geplanten Wochenendaktivitäten abarbeiten, die nur auf bessere Wetterverhältnisse wartet. Dazwischen stehen einige AFS-Fahrten an, an denen unsere Gastschüler zusammen mit ihren Gastgeschwistern und Betreuern teilnehmen werden. So geht es demnächst nach Berlin, Kopenhagen und Amsterdam. Die nächstgelegenen Großstädte Düsseldorf, Aachen, Köln und Bonn haben sie ebenfalls schon besucht und dabei hunderte Fotos gemacht. Ich fürchte, der Sommer geht dabei schneller vorbei, als uns lieb ist!


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