Erdbeben, Familie und der erste Schultag

Hallo,
dies wird mein erster Blog eintrag hier sein. Ich wohn in einem recht kleinen Dorf namens Llay Llay ca. 100 km von Santiago entfernt.

Für die, die sich gleich fragen, ob ich schon am Erdbeben-Tag da war. Ja, das Erdbeben war in der ersten Nacht hier. Ich hab hierzu auch eine Art Tagebucheintrag für Freunde und Verwandte geschrieben und stell ihn hier gleich mal als erstes rein.

27.2.1010

Nach einem sehr langweiligen, engen und mit sehr schlechtem Essen verbundenen Flug, kam ich schließlich am Freitag um ca. 15:00 Uhr (Ortszeit. Bei euch ca. 19:00 Uhr —> insgesamt 18 Stunden Flug) sehr erschöpft am Flughafen Santiago an. Nach ein paar Problemen mit dem Zoll (Papiere falsch ausgefüllt), wurden wir (bin mit allen aus Deutschland, die nach Chile kommen, geflogen) von einem Betreuer sehr herzlich empfangen. Es war ein strahlender Sommertag, Wärme und eine angenehme kühle Brise. Wir mussten dann noch zwei Stunden auf eine aus Norwegen warten. Bis dahin stillten wir unseren Hunger nach richtigem Essen. Ich aß zwei prall gefüllte Sandwiches (Obst und Gemüse schmeckt hier sehr viel besser). Bei der Hinfahrt zum Arrival Camp sahen wir vom Bus aus die Anfänge der Anden, welche sehr schön waren. Beeindruckend war das auf der einen Seite flache Fläche war und auf der anderen ging es vielleicht 1000 Meter oder mehr in die Höhe.

Das Arrival Camp liegt in einem Park am Anfang der Anden. Auch hier geht es auf der einen Seite 1000 Meter in die Höhe und auf der anderen ist es flach.
Hier wurden wir ebenfalls sehr herzlich empfangen. Schüler aus 9 Ländern waren hier schon. In dem Camp ist die Standard-Sprache Englisch, da viele (unter anderem ich) noch nicht genug Spanisch können. Nun war es schon 8 Uhr, also aßen wir. Danach stellte noch jede Gruppen aus einem Land dieses vor. Es gab außerdem eine Ankommerparty – die, die erst am Abend kamen, gingen allerdings recht rasch ins Bett.

Diesen Schnitt nutz ich ma,l um ein bisschen über die Leute zu erzählen. Es sind die verschiedensten Leute da, die alle recht symphatisch und nett sind. Es sind sehr weltoffene Menschen, wie zum Beispiel die aus Amerika, die alle sehr kritisch zu ihrer Gesellschaft sind und selbst meinen, dass die Schule in Amerika recht Amerika-orientiert ist (so sagten Lehrer von denen „die USA ist wie eine Insel von zwei Ozeanen umgeben“; „Englisch sprechen alle Menschen ihr braucht keine andere Sprache“)

Dann in der Nacht geschah das Unglaubliche. Ich glaube, es war so um halb 4 uhr morgens. Ich wache auf und denke, ich bin in einem Flugzeug, welches in ein starkes Gewitter geflogen ist. Das Bett über mir (bin in einem Dreistock-Bett ganz unten) wackelt genauso, wie der restliche Raum (so stark, dass ich Angst habe, dass noch irgendetwas auf mich runter fliegt). Erst als die Anderen raus rennen, realisier ich, dass es sich um ein sehr starkes Erdbeben handelt. Ich renne nun mit den Anderen in Schlafsachen raus. Als ich steh, fühlt es sich so an, als ob ich auf einer Puddinghaut steh, die sich beweckt. Das Beben hat dann recht schnell aufgehört, allerdings sollen wir aus Angst vor Nachbeben und vielleicht kaputten Häusern draußen schlafen. Die Nacht ist recht kalt und ich wache um 6 Uhr morgens auf und mir ist Arsch kalt. Also warte ich auf den Sonnenaufgang und somit auf die Wärme. Als endlich die Sonne aufgeht und es hell wird sehen wir, dass Teile von Gerüsten eingestürzt sind und das Dach von einem Pavillon leicht kaputt ist. Am späten Morgen erfahren wir, dass die Region um uns ins Chaos gestürzt ist. Die Infrastruktur liegt lahm, Brücken und Häuser sind eingestürzt. Wir haben kein Strom und kein Wasser mehr. Wir wissen nicht, was mit unseren Familien los ist und bleiben auf weiteres hier im Camp bis sich die Lage verbessert hat.

28.2.10

Eine weitere Nacht draußen aus Angst vor starken Nachbeben. Aber das Gute, wir fahren jetzt nach Santiago. Eigentlich sollten wir um 6 Uhr morgens fahren. Sind allerdings erst um 9 Uhr losgefahren. Die Situation der Autobahn war sehr schlecht, Brücken waren kaputt oder eingestürzt, vereinzelt hatte die Straße sogar sehr starke und große Risse. Häuser sind eingestürzt aber es sieht nicht so arg schlimm aus, wie vermutet oder ich in den Zeitungen lese.
Zurzeit bin ich im Hauptquartier von AFS Chile. Santiago sieht überhaupt nicht nach Erdbeben aus. Hier sind außerdem riesiege noch stehende Hochhäuser die außerdem recht schön aussehen.

Meine Familie wird mich heute über den Tag abholen und ich werd mit der nach Hause fahren.

2.3.2010

Erstmal Llay Llay steht noch jedoch sind manche Häuser sogar komplett zerstört (jedoch für das zweit stärkste je gemessene Erdbeben nicht stark –> Haiti war schwächer) Llay Llay besteht fast nur auch erdgeschössigen Häusern die jede Menge Anbauten haben. Jedes Haus hat einen kleinen Garten und ab und zu auch einen sehr kleinen Pool. Die „Innenstadt“ sieht so ähnlich aus wie eine amerikanische Down-Town. Die stadtt ist wie ihr bestimmt jetzt auch erahnen könnt nicht sehr reich.

Im Käfer meiner Gasteltern - tolles Auto!!
Im Käfer meiner Gasteltern - tolles Auto!!

Meine Familie ist großartig. Eine kleinere leicht dickliche Mutter die super symphatisch ist und gut kocht. Mein Vater, ein kleinerer schlanker Mann, arbeitet recht lang und ist auch sehr symphatisch. Mein Bruder, Manuel, ist wie man sich einen 12-jährigen in Chile lebendenJungen vorstellt. Spielt gern Fußball und ist fast immer draußen. Das Haus hat, wie so gut wie alle Häuser in Llay Llay, Anbauten. Nicht besonders reich und recht eng, ein Garten so grün wie in Deutschland keiner und ein sehr kleiner Pool. Ich hab zwei Haustiere, einen blinden Hund und eine ziemlich süße und nette Katze. Im Wohnzimmer hängt ein Che Guevara und Bilder von Spanien 1936. Es ist fast immer jemand zu Besuch. Gerade am Abend wird das Haus wirklich proppe voll.

Nun genug Beschreibung jetzt mal etwas Geschichte.

Auf dem Weg nach Llay Llay sah ich noch ein paar brennende Häuser (bzw. ganze Stadtteile). Als ich ankam in dem Haus, waren gleich noch zwei andere Familien anwesend. Die mich, wie auch meine Familie sehr herzlich und freundlich begrüßte. Über die Geschenke freuten sie sich sehr. So hat mein Bruder immer das Schweißband an und mein Vater trinkt abends cerveza aus dem Deutschen Bierkrug. Was da schon das Problem war und heute auch, dass ich mich nicht gut ausdrücken kann und somit einfach zu vielem immer „Si“ sagte und sage. So war das Problem das ich „mucho“ nicht verstanden hab und einfach „si“ gesagt hab. Damit es nicht so wirkte, als schmecke es mir nicht, aß ich dann so schwer es auch war den Teller auf. Am Abend kamen meine Betreuer mit noch zwei anderen Autauschschülern eine aus Nürnberg und einen aus New York.

Am nächsten Tag wollte ich Käse-Spätzle machen und so gingen meine Mutter und ich einkaufen (wenn ihr mal Bilder von Märkten in Indien seht oder so → so voll ist es hier auch im Supermarkt, so dreckig und so laut). Beim Rückweg traf ich den New Yorker, und wir gingen noch mit nem Freund von ihm ein bisschen durch „Down town“. Er erzählte mir auch ein bisschen über die Party-Angewohnheiten der Chilenen. Als es dunkel wurde ging ich nach Haus, da ja kein Strom da ist und ich nicht im stock finsteren laufen wollte. Ich machte also am Abend die Käsespätzle mit viel Käse und zwiebeln. Diese schmeckten meiner Familie ziemlich gut und da, wie immer am Abend, auch noch andere da waren aßen sie auch mit und fanden es ebenfalls großartig.

Dienstag, heute bin ich mit meinen Betreuern in die nächst größere Stadt gefahren um das Visum bestätigen zu lassen. Wir wollten uns um 9 Uhr morgens treffen. Sie kamen dann allerdings erst um 10, wie immer in Chile verspätet. Wir fuhren noch mit einem aus Thailand mit einem Micro (sehr kleiner, enger, schneller und ruckeliger Bus) nach San Felipe. Dort bei der Polizeistation erfuhren wir, dass der Typ erst in einer Stunde da ist. Also gingen wir ein bisschen Shoppen und trafen dabei auch Melissa (die aus Nürnberg), die ich zum ersten Mal nicht nur im Kerzenlicht sah (ich hätte sie nicht erkannt), mit einer Freundin. Als wir dann bei der Polizeistation waren, ging der Rest recht flott (der aus Thailand hatte ne ziemlich coole Thailändische Unterschrift).

Beim Rückweg machten wir für in der chilenischen Jugend typische Scherze (der Name von Penis, Schwanz etc. in allen möglichen Sprachen) außerdem versuchten jeweils ich oder die Betreuer, dass sie als Begrüßung zu Melissa so etwas wie Schwanz sagen bzw. ich etwas zu irgendjemand Spanischsprechenden. Dies war allerdings auf beiden Seiten nicht erfolgreich.

Die Schule fing dann auch erst ein paar Tage später an. Einen Tag davor hatten wir noch hastig die Schulnuniform gekauft, die meiner Meinung ziemlich hässlich ist. Ich ging am ersten Schultag mit meiner Mutter zur Schule. Überall standen Leute, unterhielten sich und schauten auf mich. Nach ein paar mal Umblicken sah ich Tyler (den aus Amerika) und begab mich zu ihm. Er erzählte mir ein bisschen und zeigte mir meine Klassenkameraden. Sie wollten alle mit mir sprechen. Allerdings verstand ich kaum ein Wort. Irgendwann klingelte dann die Schulglocke und alle stellten sich in Reihen ähnliche Formen auf. Sortiert nach Klassen. Es wurden Reden gehalten, die Fahne gehisst und die Schüler sollten die Hymne singen. Jedoch taten sie nichts, sondern redeten munter vor sich hin. Danach holten die Lehrer ihre Klassen ab und begaben sich in die Klassensäle. Unterhielten sich ein bisschen und das wars schon. Meine Klassenkameraden begleiteten mich noch bis zu meinem Haus und verabschiedeten sich.


Ein Gedanke zu Erdbeben, Familie und der erste Schultag

  • Es ist schon spannend, den Bericht zu lesen. Ich kann mir vorstellen, dass es bestimmt beängstigend war, wenn man mitten in der Nacht durch ein Erdbeben geweckt wird und dann in den nächsten Tagen die Auswirkungen an Gebäuden und Brücken zu sehen bekommt. Nach Chile möchte ich auch bald unbedingt, oder vielleicht auch Argentinien. Ich war noch nie in Südamerika und lese jedenfalls am liebsten Erfahrungsberichte über diese Länder. Sehr positiv fällt auf jeden Fall immer die Gastfreundschaft auf.

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