Unser Gastkind ist in Deutschland angekommen

Doris_Ankunft
Doris Ankunft

Man kann gar nicht beschreiben, was das für ein Gefühl ist, wenn man morgens aufsteht und weiß, man wird mittags zum Bahnhof fahren und das Gastkind abholen, das für die nächsten zehn Monate als neues Familienmitglied bei einem wohnen wird. Ich war schon zeitig wach, habe kaum etwas zum Frühstück herunterbekommen und immer wieder auf die Uhr gesehen. Natürlich waren wir viel zu früh am Bahnhof und mussten frierend am Bahnsteig warten, aber ich glaube wir haben mehr vor Aufregung gezittert als vor Kälte. Dann fuhr der Zug ein, ein Knäuel Menschen drängelte sich vor den Türen und plötzlich stand sie da! Von den vielen Fotos und Telefonaten schon vertraut, aber dann doch wieder fremd. Trotzdem fielen wir uns lachend in die Arme, redeten alle durcheinander, ein paar Fotos noch für die Eltern zuhause und dann machten wir uns auf den Weg zum Auto.

Ich bin wirklich kein Kochkünstler und auch zum Backen fehlt mir meistens die Zeit. Aber irgendwie ist alles anders, wenn man so lieben Besuch vom anderen Ende der Welt erwartet. Auf einmal macht es richtig Spaß, mal wieder einen Kuchen zu backen und ein paar gute Rezepte herauszukramen. Was essen die eigentlich so in Costa Rica? Und was ist typisch Deutsch? Einen Nachtisch könnten wir auch mal wieder machen. Schon nach ein paar Tagen war klar, dass Doris mit dem Essen nicht pingelig ist und alles probiert. Sie hat eine Packung Maismehl mitgebracht und wird etwas Besonderes für uns machen. Weil sie weiß, dass wir gern Kaffee trinken, hat sie uns zwei große Pakete mit echtem Costa-Rica-Kaffee mitgebracht. Die gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie oder die gemeinsame Kaffee-Runde wurden ganz schnell wieder zu einem besonderen Zusammentreffen, bei dem alle gern sitzen bleiben und viel erzählt und gelacht wird. Schön zu wissen, dass wir noch reichlich Zeit haben, uns zu unterhalten, uns richtig gut kennen zu lernen und ganz viele Geschichten aus unserem Leben auszutauschen!

Die ersten Tage waren schön, aber auch anstrengend. Doris legte gleich am Montag mit der Schule los. Sie wurde von den Klassenkameraden mit Spannung erwartet und es fanden sich sofort ein paar Mädchen, die die Betreuung übernehmen wollten.

Doris ein lustiges, offenes Mädchen, welches ohne Scheu auf andere Leute zugeht. Sie hat schon in Costa Rica eine ganze Menge deutscher Wörter gelernt und versucht jetzt, sich auf Deutsch zu verständigen, wenn es irgendwie geht. Der Zeitunterschied von 7 Stunden macht ihr allerdings sehr zu schaffen, und sie darf sich nicht zu lange auf ihr Bett legen, weil sie dann sofort einschläft. Wir haben den Deutsch-Unterricht organisiert, sie beim Volleyballverein und Fitnessstudio angemeldet und das Gassi-Gehen mit unserem Hund geübt. Wir waren auch ein paar Mal in der Stadt, wo sie sich mit den nötigsten Drogerieartikeln versorgte und irgendwo ergatterten wir sogar noch eine warme Winterjacke. Die ersten vier Tage vergingen wie im Flug und ich war heilfroh, dass ich mir eine Woche Urlaub gegönnt habe, um das alles in Ruhe zu erledigen. Ab nächste Woche muss Doris sich mehr und mehr allein zurechtfinden, aber ich bin davon überzeugt, dass sie das schaffen wird!


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