Casa Hogar Perpetuo Socorro, México D.F.

Wir sind 4 Mädchen im Alter von 19 und arbeiten jetzt über das weltwärts-Programm seit seit ca. 3 Monaten in einer Art Waisenhaus in Mexiko-Stadt. Fangen wir jedoch beim Anfang an.

Nach der Ankunft in Mexiko und ca. 14 Stunden Flug im Bauch, hatten wir für knapp 4 Tage ein Vorbereitungs-Camp mit AFS Betreuern. Anschließend ging es schon direkt ins Projekt.

Die Informationen die wir vorher bekommen hatten, waren, dass wir in ein Waisenhaus für Mädchen im Alter von 4 bis 17 kommen welches von Nonnen geleitet wird. Wir dachten immer, wir wären so etwas wie eine Hilfslehrerin für Englisch, Handwerk und Kunst, was auch unsere Projektbeschreibung aussagte.
Nun gut wir hatten uns also so unsere Gedanken gemacht, wie das so werden würde, weil wir auch im Projekt wohnen sollten und wir uns das Ganze einfach noch überhaupt nicht vorstellen konnten, obwohl zwei von uns schon einmal ein Jahr im Ausland verbracht haben, eine davon sogar in Südamerika. So ein Schülerprogramm ist ja aber doch schon etwas anderes.

Mit diesem Kribbeln im Bauch machten wir uns dann mit einer AFS Betreuerin auf zum Projekt, was nochmal am anderen Ende der Stadt lag, das bedeutete in etwa 2 Stunden Fahrt für uns, aber gut.
Als wir dann endlich in unserem Projekt und gleichzeitig zu Hause für das kommende Jahr ankamen, wurden wir von allen total herzlich begrüßt. Uns wurde das Gepäck abgenommen und wir wurden durchs Haus geführt. Die Kinder haben uns direkt an die Hand genommen und uns alles gezeigt. Man hat sofort gemerkt, wie spannend sie es finden, dass da Fremde „weiße“ sind.
Überall waren Willkommen-Plakate angebracht und wir fühlten uns eigentlich direkt wohl.
An den ganzen Kitsch mussten wir uns noch gewöhnen…pinkes Haus, rosaTagesdecken auch über unseren Betten, rosa Klobezüge mit rüschen, aber eigentlich ist es schon ganz süß gemacht hier!

Uns wurden von unser AFS-Betreuerin noch ein paar Sachen erklärt, wie die Regeln des Hauses und die Arbeitszeiten, die uns zunächst mal ein wenig geschockt haben. Wir sollten nämlich von um 6 bis 8 Uhr und von um 14 bis 20 Uhr arbeiten. Dann haben wir auch noch einen Plan des regulären Tagesablaufes bekommen.
Außerdem mussten wir festlegen, wer mit welchen Kindern arbeiten wollte. Dabei stellte sich auch heraus, dass die Kinder nur im Altern von 4 bis 12 Jahren waren, denn es standen nur die Klassenstufen 1 (6 bis 7 Jahre), 3 (8 bis 9 Jahre), 4 (9 bis 10 Jahre) und 5/6 (10 bis 12 Jahre) zur Auswahl. Wir haben dann ausgelost, wer mit wem arbeitet, weil wir das überhaupt nicht hätten entscheiden können.
Somit waren die Formalitäten dann auch geklärt und es konnte weitergehen

Dann ging es zum Abendessen. Mit unser Ankunft wurde auch gleichzeitig der Abschied einer Nonne „gefeiert“. Das bedeutete es gab schönes Essen und aus dem Abendessen wurde eher eine Zeremonie. Ein Kind hat uns einen Text vorgetragen, deren Inhalt uns irgendwie zu Tränen gerührt hat, weil glaube ich auch die ganze Situation ein bisschen viel war.
Nach dem Essen haben uns fast alle Kinder (teilweise Tränen überströmt, wegen des Abschiedes der Nonne) umarmt oder die Hand gegeben, was total süß war.

Am nächsten Tag begann dann auch gleich der Arbeitsalltag für uns. Es hieß um 5:30 aufstehen, aber was auf uns zu kam, wussten wir auch noch nicht so richtig. Das bedeutete erstmal zu seiner Gruppe in die Etage gehen und gucken.

Für einige von uns heißt es nun jeden Morgen ca. 10 Kinderköpfe frisieren, weil das die Kleineren noch nicht alleine können. Für mich, da ich mit den 5ten und 6ten zusammenarbeite, heißt es nur in Ausnahmefällen frisieren, weil die schon ziemlich selbstständig sind. Ich beaufsichtige meistens die Kinder nur und sage dass sie sich beeilen sollen. Den Imperativ im Spanisch beherrschen wir eigentlich schon perfekt.
Um 6:30 heißt es für mich mit einem meiner Kinder nach unten gehen um das Frühstück vorzubereiten.
Meistens gibt es hier Süßbrot- oder Cerealienspenden zum Frühstück. Wobei beim Brot natürlich immer alle Kinder versuchen, sich das Beste zu sichern, wo man ein bisschen aufpassen dass sie nicht alles kaputt machen.
Vor dem Frühstück versammeln sich dann immer alle Kinder im Hof um gemeinsam mit einer Nonne das Vater unser oder Ave Maria zu beten.
Die Kinder gehen dann geordnet in den Speisesaal, dort sprechen sie sowohl vor als auch nach dem Essen nochmal ein Tischgebet in dem sie sich für die „Alimente“ bedanken!
Danach wird von uns das Abwaschen beaufsichtigt.

Mittags kommen die Kinder ca. um 14 oder 14:30 aus der Schule, (in der Zwischenzeit haben wir Freitzeit) und ziehen sich vor dem Essen um, da sie in der Schule eine Schuluniform tragen müssen.
Danach versammeln sie sich wie jedes mal vor dem Essen wieder im Hof (gleicher Ablauf wie morgens). Nach dem Mittag wird sowohl abgewaschen als auch der Essensraum sauber gemacht. Dieser Dienst wechselt von Woche zu Woche unter den verschiedenen Klassenstufen durch.
Anfangs habe ich das überwacht wenn meine Klassenstufe dran war.
Danach geht es ans Hausaufgaben machen. Meistens kamen dann die Kinder mit fragen in Englisch oder auch anderen Fächern zu mir und ich habe sie ihnen so gut es ging beantwortet, weil das anfangs auf der anderen Sprache schon ein wenig schwierig ist.
Danach haben die Kinder ihre „oficios“. Das sind Aufgaben die sich im ganzen Haus verteilen. Die einen müssen den Hausaufgabenraum sauber machen d.h. fegen und feudeln, die anderen den Schlafraum, wieder andere das Treppenhaus usw.
Mittlerweile hat sich mein Tagesablauf aber so geändert, dass ich den Essensraum nicht mehr beaufsichtige, sondern direkt mit den Kindern hoch gehe und entweder Englisch oder Deutschunterricht gebe.
Das ist aber auch der neuste Ablauf und es ist noch ein wenig chaotisch aber gut, das wird sich schon noch entwickeln.
Teilweise gibt es zwischendurch noch ein wenig Zeit für die Kinder draußen zu spielen. Manchmal dürfen alle anderen noch die Zeit spielen, während zwei Mädchen noch nach dem Essen abwaschen.
Abends nach dem Essen beten die Kinder ab 3ter Klassenstufe noch den Rosenkranz und dann geht es ins Bett.
Am nächsten Tag geht dann alles von vorne los.

Nach 2 Tagen an einem Donnerstag haben wir dann auch gemerkt, dass das gar nicht alles Waisenkinder sind. Die meisten haben noch Familienteile (alleinerziehende Väter, Mütter oder Tanten , große Brüder etc.) zu denen sie gehen können. Manchmal ist es aber auch einfach nur so, dass die Familien kein Geld haben und die Eltern beide unter der Woche so viel arbeiten müssen, dass sie keine Zeit für ihre Kinder haben.
So heißt es Donnerstags immer Koffer packen, denn Freitag werden die meisten Kinder direkt nach der Schule abgeholt und gehen am Wochenende zu ihren Familien. Es gibt aber auch Ausnahmen, die eigentlich fast jedes Wochenende im Haus bleiben. Über Feiertage kommen sie dann in Spenderfamilien.

Das Wochenende ist dann für uns dann immer frei und für uns die Möglichkeit sich auch mal ein wenig von Mexiko-City an zugucken. Wir hatten auch schon das Glück eine AFS-Reise des Schülerprogramms nach Oaxaca mitmachen zu können und haben auch so schon erstaunlich viel von Mexiko gesehen!

Wir haben auch schon in ein komplett anderes Kinderbetreuungsprojekt rein schauen dürfen, welches die Kinder nur tagsüber betreut und eher auf die Grundbedürfnisse der Kinder und Familien ausgelegt ist. Wie ärztliche, sowohl physiologische als auch psychologische Betreuung und sich um die Verpflegung der Kinder kümmert. Für uns war es sehr interessant die Vielseitigkeit der sozialen Arbeit/Hilfe kennen zu lernen.

Mittlerweile ist bei uns schon Alltag eingekehrt, es haben sich viele Dinge für uns geklärt, sowie dass die Encargadas (Betreuerin der verschieden Klassenstufen (niveles)) auch teilweise Lehrerin an der Schule sind, was ganz schön hart ist, weil die ein 14 Stunden Arbeitstag haben.
Das Verhältnis zu unseren Arbeitskollegen ist eigentlich total gut. Die Stimmung unter ist total locker, auch wenn man anfangs nicht so recht wusste wie man sich ihnen gegenüber verhalten sollte, gerade mit der neuen Sprache.
Mittlerweile wird aber auch der ein oder andere Witz gemacht und nachdem wir uns ein wenig mehr geöffnet haben, zeigen auch die Kollegen mehr Interesse an einem und der anderen Kultur. Es werden oft Fragen gestellt und Vergleiche gezogen.

Eine der Lehrerin hat uns jetzt letztens erst über ein verlängertes Wochenende aufs Land (Tepotzotlán, nördlich von Mexiko-Stadt) mitgenommen, wo fast ihre ganze Familie wohnt, damit wir so etwas auch mal kennen lernen.

México allgemein ist ein total tolles Land, soweit wie wir das beurteilen können nachdem was wir bis jetzt gesehen haben. Auch wenn wir uns erstmal daran gewöhnen mussten, dass es wirklich zu jedem Essen Tortillas gibt und auch sehr viel Fleisch.

An die Busfahrten in den Straßenverhältnissen und bei den vielen Topes (Bodenwellen, weil sich die Mexikaner sonst nicht an die Geschwindigkeitsberenzungen halten würden) musste man sich auch zunächst gewöhnen, aber uns blieb ja nichts anderes übrig, da wir ja keine Familie haben, die uns mit dem Auto überall hinfahren kann. Mal abgesehen davon, dass das in der Familie auch nicht immer uns ständig geht.
Gut ist auch dass wir zu viert fast immer und überall hinkommen, da die Metro in México ein sehr zuverlässiges Verkehrsmittel ist und nur nachts von ein bis fünf Uhr nicht mehr fährt.
Die Metro ist gleichzeitig auch ein Supermarkt und eine Bühne. Es steigen regelmäßig irgendwelche Leute ein, die dir irgendwas andrehen wollen, singen, Gedichte vortragen etc. Es gibt dort also alles, was das Herz begehrt.
Was allerdings nicht so schön ist, sind die Fake-Fakiere in der Metro. Einige haben nämlich noch nicht so viel geübt und fangen an zu bluten wenn sie von ihren Scherben wieder aufstehen. Aber auch wenn sie nicht anfangen zu bluten ist es nicht so toll, wenn sich jemand über Spritzen, Scherben usw. rollt.
Diese beiden Verkehrsmittel sind außerdem extrem günstig. Für Bus zahlt man zwischen 2 und 4 Pesos (10-20 Cent) und für die Metro 2 Pesos. Bei der Metro ist es allerdings so, dass du einmal dein Ticket einsteckst und so oft umsteigen kannst, wie du willst ohne nochmal zu zahlen! Das heißt du kommst für ca. 10 Cent mit der Metro durch ganz México-City.

Das Leben in der riesigen Stadt Mexico-City ist sehr abwechslungsreich und bunt. An jeder Straßenecke kann man was billiges zu Essen kaufen, wobei man damit anfangs vorsichtig sein sollte, da man leicht Magenverstimmungen bekommen kann. Mit der Zeit einwickelt man aber einen Blick dafür wo man essen kann und wo nicht! Allerdings sollte man das Straßenessen nicht ganz meiden, denn ansonsten würde man echt etwas verpassen!

Auch das Straßenessen wird (wie in der Metro alle Sachen) lauthals angepriesen.
Insbesondere das Brot (spanisch: Pan) wird lauthals angepriesen.
In der ersten Zeit haben wir uns nämlich gewundert, wer da nachts immer so laut schreit, weil wir ihn bis in unser Haus gehört haben, allerdings nicht verstanden haben, dass er PAN schreit.
So war uns der Mann auch ein wenig unheimlich, bis wir woanders übernachtet haben und dort auch jemand nachts geschrien hat. Also haben wir gefragt, was bzw. wer das sei und man antwortete uns, dass es nur jemand sei, der Brot (Pan) verkaufen will.

In Méxicos Sommer sollte man stets eine Regenjacke dabei haben, die ich leider immer noch nicht besitze, aber zur Zeit ist ja glücklicherweise Winter.
In der Sommerzeit ist nämlich gleichzeitig auch Regenzeit in México und es kommt oft zu überraschendem Platzregen! So ist es uns schon passiert, dass wir klitschnass bei einem Freund angekommen sind, nichts zum Wechseln dabei hatten und dort noch ein wenig frierend aushalten mussten.

Nach einiger Zeit kam dann doch der Wunsch auf in Familien wohnen zu wollen, weil wir unter uns vier deutschen Mädels natürlich sehr viel Deutsch gesprochen haben und auch so irgendwie den Wunsch hatten noch mehr in die Kultur einzutauchen.
Theoretisch haben wir nämlich unser eigenes kleines europäisches Imperium in diesem mexikanischen Projekt aufgebaut.
Wir haben also mit AFS gesprochen und sie gebeten für uns nach Familien zu suchen, auch wenn wir mit der Unterkunft im Projekt vollkommen zufrieden waren und das damit überhaupt nichts zu tun hatte.

Ich habe mittlerweile eine bekommen, bin aber noch nicht umgezogen, weil wir unter uns abgemacht hatten, dass wir niemanden dort alleine lassen.
Es wäre nämlich blöd, wenn eine nach der anderen auszieht und eine alleine bleibt!
So bin ich bis jetzt nur teilweise die Wochenenden bei meiner Familie und unternehme etwas mit ihnen, was auch sehr schön ist!
Ich freue mich allerdings auch schon, wenn ich komplett umziehe und mir erneut einen Alltag aufbauen kann!


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